Kurze Antwort: Bei der Diskusverlagerung mit Reposition rutscht die Gelenkscheibe im Kiefergelenk bei geschlossenem Mund nach vorn und springt beim Öffnen mit einem Knacken wieder an ihren Platz; die Mundöffnung bleibt meist erhalten. Bei der Diskusverlagerung ohne Reposition kann die Scheibe nicht in ihre Position zurückkehren, das Knacken verschwindet oft, und die Mundöffnung ist eingeschränkt. Ein Knacken ohne Schmerzen erfordert in vielen Fällen keine Behandlung; über Beurteilung und Untersuchung entscheidet die Ärztin bzw. der Arzt nach der Untersuchung.
Ein „Knacken“ direkt vor dem Ohr beim Öffnen des Mundes oder ein Kiefer, der morgens nach dem Aufwachen nicht ganz aufgeht, hängt oft mit der Position einer kleinen Gelenkscheibe im Kiefergelenk zusammen. In der Medizin heißt dieses Bild Diskusverlagerung, und es tritt in zwei Hauptformen auf: der Diskusverlagerung mit Reposition und der Diskusverlagerung ohne Reposition. So kompliziert die Namen wirken, so einfach ist der Unterschied: Kann die Scheibe beim Öffnen des Mundes an ihren Platz zurückkehren oder nicht? In diesem Beitrag erklären wir, was die Gelenkscheibe des Kiefergelenks ist, wie man die beiden Bilder unterscheidet, welche Anzeichen wichtig sind und wie die zahnärztliche Beurteilung abläuft.
Was ist die Gelenkscheibe des Kiefergelenks?
Die Gelenkscheibe des Kiefergelenks ist ein dünnes Polster aus Faserknorpel, das zwischen dem Gelenkkopf des Unterkiefers und der Gelenkgrube im Schädel liegt. Dieses Gelenk, das Temporomandibulargelenk (TMG bzw. TMJ) genannt wird, liegt direkt vor dem Ohr und arbeitet bei allen Alltagsbewegungen wie Sprechen, Kauen und Gähnen.
Die Scheibe verhindert, dass die beiden Knochenflächen direkt aneinander reiben, und trägt zu einer glatten Bewegung bei. Im gesunden Gelenk gleitet der Gelenkkopf beim Öffnen des Mundes nach vorn, und die Scheibe bewegt sich mit ihm. Lockern sich die Bänder, die die Scheibe halten, oder das umgebende Gewebe, oder werden sie überlastet, kann die Scheibe aus ihrer normalen Position, meist nach vorn und innen, rutschen. Dieser Zustand heißt Verlagerung der Kiefergelenkscheibe oder Diskusverlagerung.
Was ist eine Diskusverlagerung mit Reposition?
Bei der Diskusverlagerung mit Reposition liegt die bei geschlossenem Mund nach vorn gerutschte Scheibe beim Öffnen des Mundes wieder auf dem Gelenkkopf. „Reposition“ bedeutet hier, dass die Scheibe an ihren Platz zurückkehrt.
Bei dieser Rückkehr hören die meisten ein deutliches Knacken vor dem Ohr oder spüren mit dem Finger einen Sprung. Beim Schließen des Mundes rutscht die Scheibe wieder nach vorn, deshalb kann beim Schließen ein leiseres zweites Knacken entstehen; das nennt man reziprokes Knacken. Die Mundöffnung liegt meist im Normalbereich, beim Öffnen kann der Kiefer aber kurzzeitig zu einer Seite abweichen und dann in die Mitte zurückkehren.
Eine wichtige Information: In der Bevölkerung haben viele Menschen mit Knacken im Kiefergelenk weder Schmerzen noch eine Bewegungseinschränkung. Ein Knacken, das weder Schmerzen noch Funktionsverlust verursacht, erfordert häufig für sich genommen keine Behandlung; es kann genügen, es zu beobachten. Für diese Entscheidung ist trotzdem eine ärztliche Untersuchung nötig. Bei manchen Menschen treten zeitweise Episoden einer intermittierenden Blockade auf, bei denen die Scheibe spät an ihren Platz springt und der Kiefer kurz „hängt“; das ist ein Zeichen, das genauer beobachtet werden sollte.
Was ist eine Diskusverlagerung ohne Reposition?
Bei der Diskusverlagerung ohne Reposition kann die nach vorn gerutschte Scheibe auch beim Öffnen des Mundes nicht an ihren Platz zurückkehren und bildet ein Hindernis vor dem Gelenkkopf. Weil die Scheibe nicht einrastet, verschwindet das frühere Knacken oft, aber die Mundöffnung ist eingeschränkt.
Dieses Bild macht einen Teil der Zustände aus, die umgangssprachlich als Kiefersperre bekannt sind; in der Medizin spricht man auch von einer „geschlossenen Blockade“. Man kann den Mund nicht mehr so weit öffnen wie gewohnt, beim Öffnen weicht der Kiefer zur betroffenen Seite ab, und Seitwärtsbewegungen zur Gegenseite können schwerfallen. In der frisch begonnenen (akuten) Phase kann die Einschränkung deutlich und unangenehm sein. Im Lauf der Zeit (chronische Phase) kann die Mundöffnung teilweise wieder zunehmen, wenn sich das Gewebe anpasst; dieser Verlauf ist aber nicht bei jedem gleich.
Die Gelenkscheibe ist nicht die einzige Ursache einer Kiefersperre; auch Muskelkrämpfe, Infektionen oder Zustände nach einer Zahnentfernung können die Mundöffnung einschränken. Dieses Thema haben wir in unserem Beitrag Trismus und Kiefersperre gesondert behandelt.
Anzeichen: Knacken, Blockade, Schmerzen
Die häufigsten Anzeichen einer Diskusverlagerung sind Knacken im Kiefergelenk, eingeschränkte Mundöffnung und Schmerzen im Gelenkbereich; nicht bei jedem Menschen treten jedoch alle Anzeichen zusammen auf. Die Art der Anzeichen gibt einen Hinweis darauf, welche Form der Verlagerung infrage kommen kann.
- Kiefergelenkknacken: Ein deutliches Knacken, besonders beim Öffnen des Mundes, wird häufig mit der Verlagerung mit Reposition in Verbindung gebracht. Reibegeräusche, die an das Zerreiben von Sand erinnern, können dagegen auf andere Gelenkveränderungen hinweisen.
- Blockade: Der Mund lässt sich plötzlich nicht ganz öffnen oder, wenn er offen ist, nur schwer schließen. Wenn bei jemandem, der zuvor ein Knacken hatte, das Geräusch verschwindet und die Mundöffnung abnimmt, ist das eine Veränderung, die Beachtung verdient.
- Schmerzen: Sie können vor dem Ohr, an der Schläfe oder in den Kaumuskeln auftreten und beim Kauen, Gähnen oder morgens zunehmen.
- Begleitende Zustände: Zähnepressen oder -knirschen, Kopfschmerzen und ein Druckgefühl im Ohr können bei manchen Menschen das Bild begleiten.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Beurteilung einer Diskusverlagerung erfolgt zunächst durch eine ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung; ob eine Bildgebung nötig ist, entscheidet die Ärztin bzw. der Arzt nach den Untersuchungsbefunden. Selbst eine Diagnose zu stellen oder allein aus dem Vorhandensein eines Geräuschs Schlüsse zu ziehen, ist nicht richtig.
Bei der Untersuchung wird meist die Mundöffnung gemessen, der Weg des Kiefers beim Öffnen beobachtet, das Gelenk und die Kaumuskulatur abgetastet und beurteilt, in welchem Moment die Geräusche entstehen. Auch der Zahnschluss und durch Zähnepressen entstandene Abnutzungsspuren werden untersucht.
Das Verfahren, das die Position der Scheibe direkt zeigen kann, ist die Magnetresonanztomografie (MRT). Für jedes Knacken ist jedoch keine MRT nötig. Sind die Beschwerden anhaltend, ist die Mundöffnung eingeschränkt, halten die Beschwerden trotz Behandlung an oder ist ein weitergehender Eingriff geplant, kann die Ärztin bzw. der Arzt eine Beurteilung mit MRT veranlassen. Müssen die knöchernen Strukturen untersucht werden, können andere bildgebende Verfahren bevorzugt werden. Welche Untersuchung nötig ist, bestimmt allein die Ärztin bzw. der Arzt nach der Untersuchung.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Bei einer Diskusverlagerung beginnt die Behandlung in den meisten Fällen mit konservativen und umkehrbaren Verfahren; weitergehende Eingriffe kommen nur infrage, wenn damit keine ausreichende Linderung erreicht wird. Ziel ist nicht, die Scheibe unbedingt an ihren alten Platz zurückzubringen, sondern Schmerzen zu verringern und die Kieferbewegungen funktionsfähig zu machen.
- Aufklärung und Alltagsgewohnheiten: Eine Zeit lang weiche Kost essen, auf Kaugummikauen und übermäßig weites Öffnen des Mundes verzichten, beim Gähnen den Kiefer stützen, die Gewohnheit des Zähnepressens tagsüber bemerken und ablegen.
- Wärme- oder Kälteanwendung und Übungen: Einfache Kieferübungen, die die Ärztin bzw. der Arzt oder die Physiotherapeutin bzw. der Physiotherapeut empfiehlt, können helfen, die Muskeln zu lockern und die Bewegung zu regulieren.
- Schiene (Aufbissschiene für die Nacht): Vor allem wenn Zähnepressen und Zähneknirschen hinzukommen, kann eine individuell angefertigte Okklusionsschiene helfen, die Belastung von Gelenk und Muskeln zu verringern. Einzelheiten finden Sie in unserem Beitrag Schienentherapie.
- Medikamentöse Behandlung: In schmerzhaften Phasen kann die Ärztin bzw. der Arzt kurzzeitig geeignete Medikamente empfehlen. Auswahl und Anwendungsdauer sind individuell; es wird nicht empfohlen, auf eigene Faust Medikamente einzunehmen.
- Arthrozentese: Bleibt die Mundöffnung vor allem bei der Verlagerung ohne Reposition trotz konservativer Verfahren eingeschränkt, kann dieses Verfahren erwogen werden, bei dem der Gelenkspalt gespült wird. Mehr Informationen finden Sie in unserem Beitrag Arthrozentese und Injektion ins Kiefergelenk.
- Chirurgie: Bei sehr wenigen Patientinnen und Patienten wird in ausgewählten Fällen, in denen andere Verfahren nicht ausreichen, vom zuständigen Fachgebiet eine Operation beurteilt.
Den allgemeinen Rahmen der in unserer Praxis angewandten konservativen Ansätze finden Sie auf der Seite TMJ-Behandlung und Methoden zur Entlastung des Kiefergelenks. Für Menschen, die eine kieferorthopädische Behandlung erwägen und Beschwerden im Kiefergelenk haben, kann auch unser Beitrag Aligner und Kiefergelenk eine Orientierung geben; in solchen Fällen ist es wichtig, das Gelenk vor der Behandlung beurteilen zu lassen.
Was ist der kurze Unterschied zwischen Diskusverlagerung mit und ohne Reposition?
Der grundlegende Unterschied zwischen beiden Bildern ist, ob die Scheibe beim Öffnen des Mundes an ihren Platz zurückkehrt. Bei der Diskusverlagerung mit Reposition springt die Scheibe beim Öffnen wieder an ihren Platz; deshalb ist das Knacken deutlich, und die Mundöffnung bleibt meist erhalten. Bei der Diskusverlagerung ohne Reposition kann die Scheibe nicht einrasten; das Knacken verschwindet oft, die Mundöffnung ist aber eingeschränkt, und der Kiefer weicht beim Öffnen zu einer Seite ab. In beiden Fällen kann die Stärke der Schmerzen von Mensch zu Mensch stark unterschiedlich sein.
Wann sollte man zur Ärztin oder zum Arzt gehen?
Wenn das Geräusch aus dem Kiefergelenk mit Schmerzen einhergeht, Sie den Mund nicht mehr so weit öffnen können wie früher, der Kiefer in geöffneter oder geschlossener Stellung hängen bleibt oder Essen und Sprechen schwerfallen, ist ein Zahnarztbesuch angebracht. Ein Knacken ohne Schmerzen, das sich seit Jahren nicht verändert hat, gilt dagegen nicht als Notfall; trotzdem ist es sinnvoll, es bei der nächsten zahnärztlichen Untersuchung zu erwähnen. In unserer Zahnpoliklinik im Park Oran Ofis neben dem Panora Einkaufszentrum in Ankara Çankaya werden Beschwerden des Kiefergelenks durch eine Untersuchung beurteilt; ob eine Bildgebung oder die Überweisung an ein anderes Fachgebiet nötig ist, wird Ihnen nach dieser Untersuchung mitgeteilt.
Häufig gestellte Fragen
Erfordert jedes Knacken im Kiefergelenk eine Behandlung?
Nein. Ein Knacken, das keine Schmerzen oder Bewegungseinschränkung verursacht, kann in vielen Fällen nur beobachtet werden. Treten mit dem Geräusch Schmerzen, Blockaden oder Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes auf, wird eine ärztliche Untersuchung empfohlen.
Kann aus einer Diskusverlagerung mit Reposition eine ohne Reposition werden?
Bei manchen Menschen kann es mit der Zeit schwerer werden, dass die Scheibe an ihren Platz zurückkehrt, und das Bild kann sich verändern; das ist aber nicht bei jedem so. Wenn Veränderungen wie ein plötzlich verschwindendes Knacken und eine abnehmende Mundöffnung bemerkt werden, ist es angebracht, die Ärztin bzw. den Arzt aufzusuchen.
Muss bei einer Diskusverlagerung unbedingt eine MRT gemacht werden?
Nein. Die Beurteilung erfolgt zunächst durch die klinische Untersuchung. Sind die Beschwerden anhaltend, ist die Mundöffnung eingeschränkt oder ist ein weitergehender Eingriff geplant, entscheidet die Ärztin bzw. der Arzt, ob eine MRT nötig ist.
Hilft eine Schiene bei einer Diskusverlagerung?
Vor allem wenn Zähnepressen und Zähneknirschen hinzukommen, kann eine individuell angefertigte Schiene helfen, die Belastung von Gelenk und Muskeln zu verringern. Ob eine Schiene geeignet ist und wie lange sie getragen wird, wird nach der Untersuchung bestimmt.
Soll ich meinen Kiefer, wenn er blockiert, mit Gewalt öffnen?
Den Kiefer mit Gewalt öffnen zu wollen, kann das Gewebe zusätzlich belasten. Bei einer plötzlich einsetzenden Blockade ist es richtiger, weiche Kost zu essen, den Kiefer zu schonen und sich bald an die Ärztin bzw. den Arzt zu wenden.




