Die Kiefererweiterung ist eine kieferorthopädische Behandlung, die einen in der Breite zu schmalen Oberkiefer (Maxilla) erweitert, damit obere und untere Zähne im Seitenzahnbereich richtig aufeinandertreffen, und die den Zähnen Platz verschafft. Welche Methode gewählt wird, bestimmen vor allem zwei Faktoren: das Alter des Patienten und wie weit die Knochennaht in der Mitte des Gaumens (Sutura palatina mediana) bereits verknöchert ist. Bei Kindern im Wachstum ist diese Naht nachgiebig und lässt sich mit einer festsitzenden Dehnapparatur meist öffnen. Mit fortschreitender Pubertät wird die Naht fester; bei Erwachsenen werden eine minischraubengestützte Erweiterung, eine chirurgisch unterstützte Erweiterung oder eine begrenzte Erweiterung, die nur die Zahnstellung verändert, in Betracht gezogen. Allgemeine Informationen zu den Bestandteilen und zur Funktionsweise der Apparatur finden Sie in unserem Beitrag zur Dehnapparatur; diese Seite konzentriert sich dagegen auf die Behandlungsentscheidung und den Ablauf.
In welchen Fällen ist eine Kiefererweiterung nötig?
Die Entscheidung für eine Erweiterung beruht nicht auf einem einzelnen Anzeichen, sondern wird anhand von intraoraler Untersuchung, Modellanalyse und bei Bedarf Bildgebung getroffen. Die häufigsten Gründe sind:
- Seitlicher Kreuzbiss: Die oberen Seitenzähne schließen auf der Innenseite statt auf der Außenseite der unteren Seitenzähne. Er kann ein- oder beidseitig auftreten. Einzelheiten finden Sie auf unserer Seite zum Kreuzbiss.
- Seitliches Abgleiten des Unterkiefers beim Zubeißen: Wegen des schmalen Oberkiefers passen die Zähne nicht richtig aufeinander, und der Unterkiefer gleitet beim Schließen zur Seite. Da dies bei Kindern über längere Zeit zu einer Gesichtsasymmetrie beitragen kann, wird eine frühe Behandlung empfohlen.
- Engstand bei schmalem, hohem Gaumen: Liegt der Platzmangel an der Enge des Kiefers, kann eine Erweiterung die Notwendigkeit einer Zahnextraktion verringern. Nicht jeder Engstand lässt sich so lösen; das Kippen der Zähne nach außen hat Grenzen.
- Eckzähne mit dem Risiko einer Verlagerung: In einem schmalen Kiefer finden die oberen Eckzähne (Canini) mitunter keinen Durchbruchsweg. Bei manchen Kindern hilft die Erweiterung, diesen Zähnen Platz zu verschaffen.
- Als Teil der Behandlung einer Oberkieferrücklage: Bei Kindern mit Klasse-III-Neigung kann die Erweiterung zusammen mit einer Gesichtsmaske geplant werden.
In der Praxis wird fast immer der Oberkiefer erweitert. Da es in der Mitte des Unterkiefers keine Naht gibt, die sich öffnen ließe, ist dort keine knöcherne Erweiterung möglich; die unteren Zähne können nur in begrenztem Maß nach außen bewegt werden. Bei Kindern mit Mundatmung oder Schnarchen wurde berichtet, dass die Erweiterung die Nasenatmung beeinflussen kann; dieser Effekt ist jedoch individuell verschieden, und eine Erweiterung gilt für sich allein nicht als Behandlung einer Schlafapnoe. Bei solchen Beschwerden ist auch eine Beurteilung durch eine HNO-Ärztin erforderlich.
Wie verändert das Alter die Methode der Kiefererweiterung?
Die Gaumennaht ist bei der Geburt breit, wird im Laufe des Wachstums zunehmend verzahnt und beginnt nach der Pubertät zu verknöchern. Dieser Prozess ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden; bei zwei gleichaltrigen Jugendlichen kann sich die Naht beim einen leicht öffnen lassen, beim anderen nicht. Bei Mädchen setzt die Reifung meist früher ein. Das kalendarische Alter ist daher nur ein grober Anhaltspunkt; bei Jugendlichen und Erwachsenen kann der Zustand der Naht bei Bedarf mit einer dreidimensionalen Bildgebung (DVT/CBCT) beurteilt werden.
Vorgehen bei der Kiefererweiterung nach Alter (allgemeiner Rahmen)
| Lebensphase | Gaumennaht | Häufig erwogene Methoden |
|---|---|---|
| Kindheit (etwa 6–11 Jahre) | Meist nachgiebig | Festsitzende Dehnapparatur, langsame Dehnapparatur, in geeigneten Fällen dentale Bogenerweiterung |
| Jugend (etwa 12–16 Jahre) | Verknöcherung kann begonnen haben, individuell verschieden | Festsitzende Apparatur oder minischraubengestützte Apparatur |
| Erwachsenenalter | Weitgehend verknöchert | MARPE, chirurgisch unterstützte Erweiterung (SARPE), begrenzte dentale Erweiterung |
Die Altersangaben sind Näherungswerte. Die Methode wird nach Untersuchung und bei Bedarf Bildgebung festgelegt.
In der Kindheit (etwa 6–11 Jahre)
In dieser Phase ist die Naht noch nachgiebig. Festsitzende Dehnapparaturen, die mit Bändern an den Zähnen befestigt werden (Typ Hyrax oder Haas), oder Apparaturen mit langsamer, kontinuierlicher Kraft (wie die Quad-Helix) können eine knöcherne Erweiterung bewirken. In geeigneten Fällen kann auch eine dentale Bogenerweiterung mit dem für das Wechselgebiss entwickelten Invisalign First eine Option sein; der Aligner ist jedoch keine Apparatur, die die Naht öffnet.
In der Jugend (etwa 12–16 Jahre)
In dieser Phase ist das Ergebnis am schwersten vorherzusagen. Bei manchen Jugendlichen reicht die klassische festsitzende Apparatur noch aus, bei anderen wird die Kraft nicht ausreichend auf den Knochen übertragen, und die Zähne kippen zur Seite. In diesem Fall können minischraubengestützte Apparaturen bevorzugt werden.
Im Erwachsenenalter
Da die Naht weitgehend verknöchert ist, kippt eine klassische Apparatur meist die Zähne, ohne den Knochen zu trennen. Die Optionen sind MARPE (minischraubengestützte Erweiterung), eine zusammen mit einer Kieferchirurgie durchgeführte chirurgisch unterstützte Erweiterung (SARPE) und – bei leichter Enge – eine begrenzte Erweiterung, die nur die Zahnstellung verändert.
Wie verläuft die Kiefererweiterung Schritt für Schritt?
- Untersuchung und Unterlagen: Intraoralscan oder Abdruck, Fotos, Panoramaröntgen und bei Bedarf ein Fernröntgenseitenbild oder eine DVT werden angefertigt. In dieser Phase wird unterschieden, ob die Enge knöchern oder nur dental bedingt ist.
- Herstellung und Einsetzen der Apparatur: Die Apparatur wird individuell angefertigt und mit Bändern oder Minischrauben an den Backenzähnen befestigt. Das Einsetzen dauert bei den meisten Patienten nicht lange.
- Aktivierungsphase: Die Schraube in der Mitte der Apparatur wird mit dem von der Ärztin ausgehändigten Schlüssel nach ihrem Zeitplan zu Hause oder in der Praxis gedreht. Diese aktive Phase dauert meist einige Wochen und wird engmaschig kontrolliert. Die Schraube darf nicht weiter gedreht werden als von der Ärztin festgelegt.
- Lücke zwischen den Frontzähnen: Öffnet sich die Naht, entsteht eine Lücke zwischen den oberen Frontzähnen. Das ist ein zu erwartendes Zeichen; sie schließt sich in den folgenden Wochen teilweise von selbst, der Rest wird in einer späteren Behandlungsphase geschlossen.
- Haltephase: Nach Abschluss der Erweiterung bleibt die Apparatur passiv einige Monate im Mund, oft drei bis sechs Monate. In dieser Zeit bildet sich im geöffneten Bereich neuer Knochen.
- Folgephase und Retention: Nach dem Entfernen der Apparatur wird eine Retentionsapparatur verwendet, um die gewonnene Breite zu halten; zum Ausrichten der Zähne geht es bei den meisten Patienten mit Zahnspange oder Alignern weiter. Warum sich die Breite wieder verringern kann, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag zu Retention und Rezidiv.
Was spürt man während der Behandlung und welche Risiken gibt es?
In den ersten Tagen der Aktivierung ist ein Druckgefühl an der Nasenwurzel, an den Wangenknochen und an den Zähnen verbreitet; es lässt meist innerhalb weniger Tage nach. Ein einfaches, von der Ärztin empfohlenes Schmerzmittel reicht bei den meisten Patienten aus. Leichtes Lispeln beim Sprechen und Speisereste unter der Apparatur sind in den ersten ein, zwei Wochen häufig. Folgende mögliche Probleme sollten beachtet werden:
- Seitliches Kippen der Zähne: Trennt sich der Knochen nicht ausreichend, bleibt die Erweiterung dental; das erhöht das Risiko einer erneuten Verengung.
- Zahnfleisch und Knochen: Bei dünnem Zahnfleisch kann die Bewegung der Zähne nach außen zu Zahnfleischrückgang führen. Dieses Risiko ist bei Erwachsenen bedeutsamer.
- Lockerung oder Bruch der Apparatur: Harte und klebrige Speisen können dazu führen, dass sich Bänder lockern.
- Erneute Verengung (Rezidiv): Wird die Retention vernachlässigt, kann ein Teil der gewonnenen Breite verloren gehen.
- Naht öffnet sich nicht: Besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen öffnet sich die Naht mit einer klassischen Apparatur unter Umständen nicht; dann wird der Plan geändert.
Bei länger anhaltenden starken Schmerzen, deutlicher Schwellung, einer Schraube, die sich nicht drehen lässt, oder einer wackelnden Apparatur sollten Sie die Praxis informieren, ohne den Kontrolltermin abzuwarten.
Auf welche Fragen sollten Sie vor der Entscheidung Antworten suchen?
Die Kiefererweiterung ist ein Schritt, der die gesamte weitere kieferorthopädische Behandlung beeinflusst. Klare Antworten auf folgende Fragen bei der Untersuchung erleichtern Ihre Entscheidung:
- Ist die Enge knöchern bedingt oder liegt sie nur an nach innen geneigten Zähnen?
- Reicht je nach Alter und Zustand der Naht eine klassische Apparatur aus, oder ist eine Unterstützung durch Minischrauben oder eine Operation nötig?
- Welche Behandlungsphase ist nach der Erweiterung geplant, und wie lange wird die Gesamtdauer voraussichtlich sein?
- Lassen Zahnfleisch- und Knochendicke eine Bewegung der Zähne nach außen zu?
- Ist es bei Kindern sinnvoller, sofort zu beginnen oder zunächst zu beobachten und abzuwarten?
Bei Kindern ist die Erweiterung häufig Teil eines Plans zur kieferorthopädischen Frühbehandlung. Bei Erwachsenen ist es wichtig, die Grenzen der Erweiterung zu kennen; inwieweit Aligner oder Zahnspange die Skelettstruktur verändern können, haben wir auf dieser Seite behandelt. Weitere in der Praxis verwendete Apparaturen finden Sie auf der Seite Kieferorthopädische Apparaturen.
Wie erfolgt die Beurteilung in der Praxis?
In der Funda Sarıkaya Zahnpoliklinik beurteilt die Fachzahnärztin für Kieferorthopädie Funda Pekyılmaz Sarıkaya die Kieferenge. Beim ersten Gespräch werden Bissbeziehung, Gaumenform, Zahnfleischzustand und Wachstumsphase gemeinsam betrachtet; nach Erstellung der notwendigen Unterlagen werden Methode, voraussichtliche Dauer und Kosten schriftlich mitgeteilt. Die Praxis befindet sich im Park Oran Ofis in Oran; Termine werden Montag–Samstag von 09:00 bis 20:00 Uhr vergeben.

