Kurze Antwort: Eine Apparatur zur Kiefererweiterung ist ein kieferorthopädisches Gerät, mit dem ein schmaler Oberkiefer in der Breite erweitert wird. Da die knöcherne Naht in der Gaumenmitte in Kindheit und Pubertät noch nicht vollständig verknöchert ist, öffnet die Apparatur diese Linie langsam und erweitert den Kiefer skelettal. Sie wird meist bei Kreuzbiss, Engstand und schmalem Gaumen eingesetzt; die Eignung wird durch kieferorthopädische Untersuchung und Röntgen festgestellt.
Bei manchen Kindern und Jugendlichen ist der Oberkiefer im Verhältnis zum Unterkiefer zu schmal. Dies kann zu Engstand, einem umgekehrten Biss der Seitenzähne oder dunklen Lücken an den Seiten beim Lächeln führen. Die Apparatur zur Kiefererweiterung ist ein Behandlungsgerät zur Beseitigung dieser Enge und gehört zu den bewährtesten Methoden der Kieferorthopädie. Im richtigen Alter und bei richtiger Indikation angewendet, kann sie nicht nur die Zähne, sondern auch den Oberkieferknochen selbst erweitern.
Im Folgenden erklären wir in einfachen Worten, wie die Apparatur funktioniert, in welchem Alter sie am wirksamsten ist, welche Typen es gibt, wie die Behandlung abläuft und welche Behandlungsschritte danach folgen.
Was ist eine Apparatur zur Kiefererweiterung?
Eine Apparatur zur Kiefererweiterung ist ein kieferorthopädisches Gerät, das am Gaumen eingesetzt wird und eine kontrollierte Kraft ausübt, um die Querdimension des Oberkiefers zu vergrößern. In englischsprachigen Quellen wird der am häufigsten verwendete Typ als rapid palatal expander (Gerät zur schnellen Gaumennahterweiterung) bezeichnet.
Der Oberkiefer besteht aus zwei Hälften, die über eine knöcherne Naht in der Mitte des Gaumens (Sutura palatina mediana) verbunden sind. In der Kindheit ist diese Naht noch nicht vollständig verknöchert. Wird die Schraube in der Mitte der Apparatur in regelmäßigen Abständen gedreht, bewegt sie die beiden Hälften langsam auseinander. Im geöffneten Bereich bildet sich mit der Zeit neuer Knochen, und der Kiefer erhält eine breitere Form.
Die wichtigsten Einsatzbereiche der Apparatur sind:
- Seitlicher Kreuzbiss: Die oberen Seitenzähne beißen innerhalb der unteren Zähne zu
- Schmaler und tiefer Gaumen: Der Oberkiefer wirkt V-förmig und schmal
- Engstand: Für den Durchbruch der bleibenden Zähne ist nicht genug Platz vorhanden
- Klasse-III-Tendenz: In manchen Fällen unterstützt sie zusammen mit einer Gesichtsmaske die Vorverlagerung des Oberkiefers
In welchem Alter wird sie eingesetzt?
Der geeignetste Zeitraum für eine skelettale Erweiterung liegt in der Regel zwischen dem 7.–8. Lebensjahr und der Mitte der Pubertät, da die Gaumennaht in dieser Zeit noch elastisch ist. Da der Wachstumsschub bei Mädchen früher beginnt, schließt sich das geeignete Zeitfenster bei ihnen tendenziell auch etwas früher.
Gegen Ende der Pubertät verknöchert die Naht zunehmend, und mit einer klassischen Apparatur wird eine skelettale Erweiterung schwieriger. Bei Erwachsenen kommen daher andere Methoden infrage:
- Minischraubengestützte Erweiterung: Damit die Kraft direkt auf den Knochen übertragen wird, werden kleine Schrauben in den Gaumen gesetzt. Bei jungen Erwachsenen wird sie in manchen Fällen bevorzugt.
- Chirurgisch unterstützte Erweiterung: Wird bei Erwachsenen mit vollständig verknöcherter Naht gemeinsam mit der Kieferchirurgie geplant.
- Erweiterung auf Zahnebene: Bei leichter Enge kann der Bogen durch Neigung der Zähne nach außen erweitert werden. Aligner können für solche Bewegungen eingesetzt werden.
Eine erste Beurteilung des Kindes durch eine Kieferorthopädin bzw. einen Kieferorthopäden um das 7. Lebensjahr wird auch von der American Association of Orthodontists empfohlen. Diese Untersuchung ermöglicht es, einen Erweiterungsbedarf frühzeitig zu erkennen. Weitere Informationen zu altersabhängigen Behandlungsoptionen finden Sie in unserem Beitrag ab welchem Alter Aligner möglich sind.
Welche festsitzenden und herausnehmbaren Dehnapparaturen gibt es?
Dehnapparaturen werden grundsätzlich in zwei Gruppen unterteilt, festsitzende und herausnehmbare; die Wahl richtet sich nach dem Ausmaß der Enge und dem Alter der Patientin bzw. des Patienten.
Festsitzende Dehnapparaturen
Festsitzende Apparaturen bleiben meist über Bänder oder Kappen, die an den oberen Backenzähnen befestigt werden, im Mund und werden von der Patientin bzw. dem Patienten nicht herausgenommen.
- Hyrax-Typ: Besteht aus Metallarmen mit einer Schraube in der Mitte und ist vergleichsweise leicht zu reinigen. Er ist das am häufigsten verwendete Gerät zur schnellen Erweiterung.
- Haas-Typ: Hat Kunststoffteile, die den Gaumen berühren; er verteilt die Kraft sowohl auf die Zähne als auch auf das Gaumengewebe.
- Quad-Helix: Übt statt mit einer Schraube mit federartigen Drahtschlaufen eine langsamere, kontinuierliche Kraft aus. Er kann bei leichter Enge und bei jüngeren Kindern bevorzugt werden.
Herausnehmbare Dehnapparaturen
Herausnehmbare Platten sind Kunststoffapparaturen, die von der Patientin bzw. dem Patienten selbst eingesetzt und herausgenommen werden können. Mithilfe der Schraube in ihrer Mitte erweitern sie langsam, und ihre Wirkung liegt überwiegend auf Zahnebene. Ihr Erfolg hängt maßgeblich vom regelmäßigen Tragen ab; werden sie nicht den größten Teil des Tages getragen, tritt die erwartete Wirkung nicht ein.
Wie verlaufen Behandlung und Behandlungsdauer?
Die Dehnbehandlung verläuft in der Regel in zwei Phasen, aktive Erweiterung und Stabilisierung; die Gesamtdauer beträgt bei den meisten Kindern einige Monate.
- Abdruck und Vorbereitung: Es wird ein digitaler Scan oder Abdruck genommen, und die Apparatur wird individuell angefertigt.
- Einsetzen: Die Apparatur wird an den Zähnen befestigt. In den ersten Tagen können ein leichtes Lispeln und vermehrter Speichelfluss auftreten; diese gehen meist schnell vorüber.
- Aktive Erweiterung: Die Schraube wird mit einem speziellen Schlüssel in der von der Kieferorthopädin bzw. dem Kieferorthopäden vorgegebenen Häufigkeit gedreht. Diese Phase dauert in den meisten Fällen einige Wochen. Ein kurzes Druckgefühl an den Zähnen und an der Nasenwurzel nach dem Drehen der Schraube ist normal.
- Lücke zwischen den Frontzähnen: Beginnt die skelettale Erweiterung, kann sich zwischen den oberen Frontzähnen vorübergehend eine Lücke bilden. Dies ist ein erwarteter Befund, der zeigt, dass sich die Naht öffnet, und verringert sich in den folgenden Wochen meist von selbst.
- Stabilisierung: Nach Erreichen der Zielbreite wird die Schraube fixiert, und die Apparatur bleibt in der Regel noch einige Monate im Mund, damit der neue Knochen ausreifen kann.
In dieser Zeit ist es wichtig, klebrige und harte Lebensmittel zu meiden, die Umgebung der Apparatur sorgfältig zu putzen und die Termine regelmäßig wahrzunehmen. Wie weit und wie oft die Schraube gedreht wird, entscheidet ausschließlich die Kieferorthopädin bzw. der Kieferorthopäde; Eltern sollten diese Anweisung nicht eigenmächtig ändern.
Ist nach der Erweiterung eine feste Zahnspange oder ein Aligner nötig?
In den meisten Fällen ja; die Erweiterung löst das skelettale Problem des Kiefers, für die Ausrichtung der einzelnen Zähne ist jedoch eine zweite Behandlungsphase nötig. Der durch die Erweiterung gewonnene Platz wird genutzt, um die eng stehenden Zähne einzuordnen.
In dieser zweiten Phase kann eine feste Zahnspange oder in geeigneten Fällen Invisalign-Aligner gewählt werden. Sind die meisten bleibenden Zähne durchgebrochen, können Ausrichtung und Bisskorrektur mit Invisalign geplant werden. In jüngerem Alter ist Invisalign First, das speziell für das Wechselgebiss entwickelt wurde, eine der Optionen, die bei leichtem und mittlerem Bedarf an Bogenentwicklung in Betracht kommen.
Wenn Sie wissen möchten, wo die Grenzen der Wirkung von Alignern auf die Kieferstruktur liegen, behandelt unser Beitrag korrigieren Aligner die Kieferstruktur? dieses Thema ausführlich. Kurz gesagt: Bei ausgeprägter skelettaler Enge wird häufiger zuerst eine Dehnapparatur und danach die Ausrichtung eingesetzt.
Was passiert, wenn ein schmaler Kiefer unbemerkt bleibt?
Ein unbehandelter schmaler Oberkiefer kann mit der Zeit zu einem gestörten Kaumuster und ungleichmäßiger Abnutzung der Zähne führen. Bei einem seitlichen Kreuzbiss kann der Unterkiefer beim Zubeißen zu einer Seite abgleiten; dieses Abgleiten kann langfristig zu einer Tendenz zur Gesichtsasymmetrie beitragen.
Da der Gaumen den Boden der Nasenhöhle bildet, tritt ein schmaler Gaumen bei manchen Kindern außerdem zusammen mit Mundatmung auf. Die Wirkung der Erweiterung auf die Atmung ist individuell verschieden und wird bei Bedarf gemeinsam mit einer HNO-Ärztin bzw. einem HNO-Arzt beurteilt. Eine frühe Untersuchung erleichtert die Planung, welcher Eingriff wann erfolgen sollte.
Kieferorthopädische Beurteilung in Ankara
Wenn Sie bemerkt haben, dass Ihr Kind umgekehrt zubeißt, Engstand hat oder der Gaumen schmal wirkt, ist eine kieferorthopädische Untersuchung ein guter erster Schritt, um die Situation zu klären. In unserer Praxis im Park Oran Ofis in Oran, Çankaya, wird nach der intraoralen Untersuchung und den nötigen Aufnahmen gemeinsam mit der Familie besprochen, ob ein Erweiterungsbedarf besteht und welcher Zeitpunkt geeignet ist.
Häufig gestellte Fragen
Verursacht eine Apparatur zur Kiefererweiterung Schmerzen?
Nach dem Drehen der Schraube kann an Zähnen, Gaumen und Nasenwurzel ein Druckgefühl auftreten, das einige Minuten bis einige Stunden anhält. Für die meisten Kinder ist dieses Gefühl gut auszuhalten und lässt innerhalb von Tagen nach. Bei deutlichen Beschwerden sollte die Kieferorthopädin bzw. der Kieferorthopäde informiert werden.
Bleibt die Lücke zwischen den Frontzähnen bestehen?
In der Regel nicht. Diese Lücke, die während der skelettalen Erweiterung entsteht, zeigt, dass sich die Naht öffnet, und neigt dazu, sich in den folgenden Wochen weitgehend von selbst zu schließen. Eine verbleibende Lücke wird in der zweiten Phase bei der Ausrichtung geschlossen.
Kann eine Apparatur zur Kiefererweiterung bei Erwachsenen eingesetzt werden?
Eine klassische Apparatur reicht bei Erwachsenen für eine skelettale Erweiterung in der Regel nicht aus, da die Gaumennaht verknöchert ist. In diesem Fall werden minischraubengestützte oder chirurgisch unterstützte Erweiterungsoptionen geprüft. Bei leichter Enge kann auch eine Erweiterung auf Zahnebene möglich sein.
Wie lange bleibt die Apparatur im Mund?
Die aktive Erweiterung dauert meist einige Wochen; danach bleibt die Apparatur in der Regel noch einige Monate an Ort und Stelle, damit der neue Knochen ausreifen kann. Die genaue Dauer legt die Kieferorthopädin bzw. der Kieferorthopäde je nach Ausmaß der Enge und Alter fest.




