Kurz gesagt: Es ist nicht belegt, dass eine kieferorthopädische Behandlung Zähnepressen allein beseitigt; Zähnepressen ist eher ein multifaktorieller Zustand, der mit Stress, Schlaf und dem Nervensystem zusammenhängt. Dennoch ist eine Behandlung mit Alignern bei Menschen, die mit den Zähnen pressen, in den meisten Fällen möglich. Die Schienen können sich beim Pressen schneller abnutzen; nach der Behandlung wird der Schutz mit einem Retainer und bei Bedarf einer Aufbissschiene geplant. Der geeignete Ansatz wird bei der Untersuchung festgelegt.
Viele Menschen, die wegen Zähnepressen in die Praxis kommen, glauben, dass sich diese Gewohnheit von selbst erledigt, wenn sie ihre Zähne begradigen lassen. Der Zusammenhang zwischen Zähnepressen und kieferorthopädischer Behandlung ist jedoch nicht so einfach. Aktuelle wissenschaftliche Daten zeigen nicht, dass eine kieferorthopädische Behandlung Zähnepressen oder nächtliches Knirschen allein beseitigt. Andererseits ist eine Behandlung mit Alignern oder einer festen Zahnspange für Menschen, die mit den Zähnen pressen, in den meisten Fällen möglich; bei der Planung werden lediglich einige zusätzliche Punkte beachtet. In diesem Beitrag gehen wir in sachlichem Ton auf den Zusammenhang zwischen Biss und Zähnepressen ein, darauf, was Pressen beim Tragen von Alignern bedeutet, und auf die Schutzmöglichkeiten nach der Behandlung.
Verschwindet Zähnepressen durch eine kieferorthopädische Behandlung?
Kurz gesagt: in der Regel nein; eine kieferorthopädische Behandlung gilt nicht als Methode, die das Zähnepressen selbst behandelt. Zähnepressen und Zähneknirschen (Bruxismus) werden heute als multifaktorieller Zustand betrachtet, der vorwiegend mit dem zentralen Nervensystem, dem Schlafrhythmus, Stress und Lebensstilfaktoren in Verbindung gebracht wird. Die Zahnstellung kann dabei nur ein kleiner Teil des Bildes sein oder überhaupt keine Rolle spielen.
Internationale Konsensusberichte und systematische Übersichtsarbeiten betonen, dass es keine ausreichenden Belege dafür gibt, dass eine Korrektur des Bisses den Bruxismus beendet. Deshalb wäre es nicht richtig, wenn eine Kieferorthopädin oder ein Kieferorthopäde verspräche: „Wenn Ihre Zähne gerade sind, hört auch Ihr Pressen auf.“ Wenn Sie mehr über die möglichen Ursachen von Zähnepressen erfahren möchten, lesen Sie unseren Beitrag Bruxismus: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
Andererseits kann eine kieferorthopädische Behandlung indirekte Vorteile haben. Wenn Engstand korrigiert wird, kann sich die Belastung, die sich auf einzelne Zähne konzentriert, gleichmäßiger verteilen, die Reinigung wird einfacher, und eine spätere Versorgung abgenutzter oder vorstehender Zähne wird besser planbar. Die Behandlung kann also dazu beitragen, die Schäden durch Pressen an den Zähnen zu kontrollieren; sie sollte jedoch nicht als „Lösung“ dargestellt werden, die die Gewohnheit beendet.
Verursacht eine Bissfehlstellung Zähnepressen?
Dass eine Bissfehlstellung Zähnepressen direkt verursacht, ist heute nicht belegt. In früheren Jahren war die Ansicht verbreitet, „ein Zahn mit vorzeitigem Kontakt führt reflexartig zum Pressen des Kiefers“. Neuere Studien zeigen dagegen, dass der Zusammenhang zwischen Bissfehlstellung und Zähnepressen schwach ist, dass auch viele Menschen mit regelrechtem Biss mit den Zähnen pressen und viele Menschen mit deutlichen Bissproblemen überhaupt nicht pressen.
Dennoch erfordern einige Situationen Aufmerksamkeit:
- Tiefbiss: Wenn die oberen Zähne die unteren zu stark überdecken, können Presskräfte zu stärkerer Abnutzung der Frontzähne führen.
- Kreuzbiss: Bei einseitigem Kreuzbiss kann die Kaumuskulatur asymmetrisch arbeiten.
- Offener Biss: Wenn die Seitenzähne die gesamte Last tragen, können Abnutzung und Empfindlichkeit an diesen Zähnen ausgeprägter sein.
In diesen Fällen ist die Bissfehlstellung weniger als Ursache des Pressens zu sehen, sondern eher als Faktor, der die Spuren des Pressens an den Zähnen verstärkt. Was sich wie gegenseitig beeinflusst, ist von Person zu Person verschieden und wird bei der Untersuchung festgestellt.
Ist eine Aligner-Behandlung bei Zähnepressen möglich?
Ja, bei Menschen, die mit den Zähnen pressen, ist eine Behandlung mit Alignern in den meisten Fällen möglich. Zähnepressen allein gilt nicht als Hindernis für eine kieferorthopädische Behandlung; wichtig ist jedoch, dass die Kieferorthopädin bzw. der Kieferorthopäde davon weiß und die Planung entsprechend gestaltet. Wenn Sie wissen möchten, wie Aligner funktionieren, finden Sie die Grundlagen auf unserer Seite Was sind Aligner?.
Die wichtigsten Punkte, die bei der Planung im Zusammenhang von Zähnepressen und Alignern berücksichtigt werden, sind:
- Ausmaß der Zahnabnutzung: Bei deutlicher Abnutzung werden auch die Zahnlängen und die Lachlinie nach der Behandlung in die Planung einbezogen.
- Kiefergelenk und Muskulatur: Geräusche oder Einschränkungen beim Öffnen des Mundes oder Druckempfindlichkeit der Kaumuskeln werden vor der Behandlung dokumentiert.
- Zahnfleisch und Knochenunterstützung: Bei Zähnen, die starken Kräften ausgesetzt sind, wird das Stützgewebe sorgfältig untersucht.
- Versorgungen: Bei gebrochenen Füllungen, Kronen oder angebrochenen Zähnen legt die Zahnärztin bzw. der Zahnarzt die Behandlungsreihenfolge fest.
In unserer Praxis wird die Aligner-Behandlung ausschließlich mit dem Invisalign-System durchgeführt. Ausführliche Informationen zum System finden Sie auf unserer Seite Invisalign. Die häufigste Frage, die wir zum Thema Invisalign und Zähnepressen hören, ist, ob die Schienen das Pressen verstärken, wenn sie nachts getragen werden. Manche Menschen bemerken in den ersten Tagen, dass sie wegen des Fremdkörpergefühls im Mund stärker pressen; dieses Gefühl lässt in der Eingewöhnungsphase meist nach. Andererseits bedeckt die Schiene die Zähne mit einer dünnen Schicht und begrenzt so beim Pressen das direkte Aneinanderreiben der Zahnoberflächen.
Schadet Zähnepressen beim Tragen von Alignern der Schiene?
Zähnepressen beim Tragen von Alignern kann zu einer schnelleren Abnutzung und selten zu Rissen in den Schienen führen. Da die Schienen in der Regel alle ein bis zwei Wochen durch neue ersetzt werden, verursacht die Abnutzung bis zum Wechsel auf die nächste Schiene meist keine Probleme. Bei Menschen, die stark pressen, können sich die Kauflächen der Schiene jedoch ausdünnen, matt werden oder kleine Löcher bekommen.
Worauf Sie achten sollten, wenn Sie diese Zeichen bemerken:
- Wenn die Schiene einen Riss oder Bruch hat, versuchen Sie nicht, sie selbst abzuschleifen oder zu kleben.
- Wenn Sie eine Veränderung im Sitz der Schiene auf den Zähnen spüren, teilen Sie dies der Praxis mit, ohne den nächsten Kontrolltermin abzuwarten.
- Ob Sie früher zur nächsten Schiene wechseln oder die vorherige Schiene weiter tragen, entscheidet Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihr Kieferorthopäde.
- Reinigen Sie die Schienen regelmäßig; abgenutzte Oberflächen neigen stärker zu Verfärbungen und Belagbildung.
Manche fragen sich auch, ob die Presskraft beeinflusst, wie die Schienen die Zähne bewegen. Die Schienen sind so konstruiert, dass sie kontrollierte, sanfte Kräfte auf die Zähne ausüben; es gibt keine starken Belege dafür, dass starkes Pressen diesen Prozess stört. Dennoch wird bei den Kontrollterminen die Passform der Zähne in der Schiene überprüft und der Plan bei Bedarf angepasst.
Gibt es einen Unterschied zwischen fester Zahnspange und Alignern beim Zähnepressen?
Betrachtet man feste Zahnspange und Zähnepressen, können die Presskräfte bei festsitzenden Brackets direkt auf Brackets und Drähte übertragen werden. Das kann gelegentlich zum Ablösen von Brackets oder zur Verformung von Drähten führen. Bei Alignern verteilt sich die Kraft dagegen auf die gesamte Schienenoberfläche, und zwischen den Zähnen befindet sich eine dünne Pufferschicht. Welche Methode für Sie geeignet ist, wird nicht allein nach der Pressgewohnheit, sondern nach dem Bewegungsbedarf der Zähne, dem Alter und persönlichen Vorlieben im Rahmen der Untersuchung festgelegt.
Retainer und Aufbissschiene nach Abschluss der Behandlung
Nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung wird ein Retainer verwendet, damit die Zähne ihre neue Position halten. Bei Menschen, die mit den Zähnen pressen, ist diese Phase besonders wichtig, denn da die Pressgewohnheit nicht mit der Behandlung endet, neigen die Zähne einerseits dazu, in ihre alte Position zurückzukehren, und sind andererseits weiterhin Presskräften ausgesetzt. Ausführliche Informationen zu Retainer-Optionen und Tragedauer finden Sie auf unserer Seite Retainer nach der Aligner-Behandlung.
Hier wird oft etwas verwechselt: Retainer und Aufbissschiene werden nicht zum gleichen Zweck hergestellt. Der Retainer soll die Position der Zähne halten; die Aufbissschiene (Splint) soll dagegen Presskräfte auffangen und die Zahnoberflächen vor Abnutzung schützen. In manchen Fällen hält die Kieferorthopädin bzw. der Kieferorthopäde das nächtliche Tragen eines transparenten Retainers für ausreichend; bei Menschen mit starkem Pressen oder Kiefergelenkbeschwerden kann eine dickere, harte Aufbissschiene empfohlen werden. Die Frage, ob eine Aufbissschiene die Zähne begradigt, behandeln wir gesondert in unserem Beitrag Begradigt eine Aufbissschiene die Zähne?. Zur täglichen Pflege der Aufbissschiene lesen Sie unseren Ratgeber Aufbissschiene: Tragen, Reinigen und Aufbewahren.
Welches Gerät, in welcher Stärke und wie lange verwendet wird, ist individuell. Ob Retainer und Aufbissschiene getrennt oder durch ein einziges Gerät abgedeckt werden, wird nach der Untersuchung entschieden.
Worauf wird bei der kieferorthopädischen Untersuchung geachtet?
Bei der kieferorthopädischen Untersuchung einer Person mit Beschwerden durch Zähnepressen werden neben der Zahnstellung auch die Spuren des Pressens und das Kiefersystem beurteilt. Die Untersuchung umfasst in der Regel folgende Punkte:
- Abgeflachte Bereiche, Kerben oder Abnutzungsflächen auf den Zahnoberflächen
- Risse in den Zähnen, gebrochene Füllungen oder Rückgang am Zahnhals
- Druckempfindlichkeit von Kaumuskulatur und Kiefergelenk, Mundöffnung
- Druckspuren an der Wangeninnenseite und am Zungenrand
- Bisstyp, Zahnkontakte und Kieferbewegungen
- Bei Bedarf Röntgenaufnahmen und ein digitaler Intraoralscan
Auch die Anamnese ist ein wichtiger Teil der Untersuchung. Angaben wie morgendliche Müdigkeit im Kiefer, Verspannung im Schläfenbereich oder vom Partner bemerkte nächtliche Knirschgeräusche tragen zur Beurteilung bei. Wie Sie die Anzeichen bei sich selbst beobachten können, erklären wir in unserem Beitrag Anzeichen für Zähnepressen. Ist eine ausführliche Abklärung von Schlafrhythmus oder Kiefergelenk erforderlich, kann Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihr Kieferorthopäde Sie an die entsprechende Fachrichtung überweisen.
Ziel der Untersuchung ist nicht, sofort über eine Behandlung zu entscheiden, sondern den aktuellen Zustand richtig zu erfassen. Ob eine kieferorthopädische Behandlung notwendig ist, ob ein Schutzgerät gegen das Pressen vorher oder nachher eingesetzt wird und der ungefähre Rahmen der Behandlungsdauer werden nach dieser Beurteilung besprochen. Auch die Kosten werden nach Untersuchung und Planung schriftlich mitgeteilt.
Abklärung von Alignern und Zähnepressen in Ankara
Wenn Sie morgens Müdigkeit im Kiefer spüren, Abnutzung an Ihren Zähnen bemerken und gleichzeitig Ihre Zahnstellung korrigieren lassen möchten, erleichtert es die Planung, beide Themen gemeinsam zu betrachten. In unserer Praxis im Park Oran Ofis in Çankaya werden bei der Untersuchung durch die Kieferorthopädin sowohl Ihr Biss als auch die Spuren des Pressens an Ihren Zähnen beurteilt; ob eine Aligner-Behandlung für Sie geeignet ist und welches Schutzgerät nach der Behandlung nötig sein könnte, wird in diesem Gespräch geklärt.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich mit einer Aligner-Behandlung beginnen, wenn ich mit den Zähnen presse?
In den meisten Fällen ja. Zähnepressen allein ist kein Hindernis für eine Aligner-Behandlung. Zahnabnutzung, Kiefergelenk und Muskulatur werden jedoch bei der Untersuchung beurteilt, und der Behandlungsplan wird entsprechend erstellt.
Hört mein Zähnepressen nach Abschluss der Aligner-Behandlung auf?
Es ist nicht belegt, dass eine kieferorthopädische Behandlung Zähnepressen allein beseitigt. Auch wenn die Zähne gerade sind, kann die Pressgewohnheit fortbestehen. Deshalb wird nach der Behandlung der Schutz mit einem Retainer und bei Bedarf einer Aufbissschiene geplant.
Was sollte ich tun, wenn in der Schiene ein Loch oder Riss entsteht?
Es wird empfohlen, die Praxis zu informieren, ohne zu versuchen, die Schiene zu reparieren. Ihre Kieferorthopädin bzw. Ihr Kieferorthopäde kann empfehlen, zur nächsten Schiene zu wechseln oder die vorherige zu tragen. Wenn Sie eine Veränderung im Sitz der Schiene spüren, teilen Sie auch dies mit.
Ersetzt ein Retainer die Aufbissschiene?
Nicht immer. Der Retainer ist dafür ausgelegt, die Position der Zähne zu halten, die Aufbissschiene dafür, die Zahnoberflächen vor Presskräften zu schützen. Bei leichtem Pressen kann ein transparenter Retainer als ausreichend angesehen werden; bei starkem Pressen kann eine separate Aufbissschiene notwendig sein. Die Entscheidung fällt bei der Untersuchung.
Ist für Menschen mit Zähnepressen eine feste Zahnspange oder ein Aligner geeigneter?
Diese Frage lässt sich nicht allein anhand der Pressgewohnheit beantworten. Bei Alignern befindet sich eine dünne Schicht zwischen den Zähnen, bei festen Zahnspangen kann es zum Ablösen von Brackets kommen. Die geeignete Methode wird von der Kieferorthopädin bzw. vom Kieferorthopäden je nach Bewegungsbedarf der Zähne und Ihrer persönlichen Situation festgelegt.




