Auch kieferorthopädische Fälle mit Extraktion (Zahnentfernung) lassen sich mit Alignern behandeln. Bei Platzmangel zwischen den Zähnen oder deutlich vorstehenden Frontzähnen plant die Zahnärztin manchmal die Entfernung eines oder mehrerer Zähne; die entstandene Lücke wird mithilfe der Aligner geschlossen. Solche Fälle erfordern gegenüber Fällen ohne Extraktion eine sorgfältigere Planung und engmaschigere Kontrollen. Diese Angaben sind allgemeine Informationen; die Entscheidung für Sie wird nach der Untersuchung getroffen.
Warum kann bei einer Aligner-Behandlung eine Zahnentfernung nötig sein?
Das Hauptziel der Kieferorthopädie ist, dass die Zähne im Kieferknochen eine gesunde, ausgewogene und langfristig stabile Position einnehmen. Wenn die Gesamtbreite der Zähne größer ist als der Platz, den der Zahnbogen bieten kann, gibt es zwei Möglichkeiten: Platz gewinnen oder einen der Zähne opfern. Eine Extraktion kommt in folgenden Situationen in Betracht:
- Deutlicher Platzmangel: bei starkem Engstand, wenn die Zähne nicht in den Zahnbogen passen. Zur allgemeinen Logik des Engstands lesen Sie die Seite Aligner und Engstand.
- Vorstehende Zähne: wenn Frontzähne und Lippenprofil deutlich nach vorn stehen und Platz nötig ist, um die Zähne zurückzubewegen. Dieses Thema behandeln wir auf der Seite Aligner und vorstehende Zähne.
- Korrektur der Bissbeziehung: Um Ober- und Unterkieferzähne aufeinander abzustimmen, kann in manchen Fällen eine Extraktion nur in einem Kiefer oder eine asymmetrische Extraktion geplant werden.
- Grenzen des Knochens: Wenn das Verbreitern des Zahnbogens die Grenzen von Knochen und Zahnfleisch überfordern würde, kann eine Extraktion die sicherere Option sein.
Eine Extraktion ist nicht bei jedem Engstand ein Standardschritt. Die Entscheidung wird anhand der gemeinsamen Beurteilung von klinischer Untersuchung, Fotos, Röntgenbildern und digitalen Scandaten getroffen. Wenn sie nicht nötig ist, wird keine Extraktion empfohlen.
Welche Zähne werden entfernt?
Aus kieferorthopädischen Gründen werden am häufigsten die kleinen Backenzähne (Prämolaren) entfernt. Sie liegen im Mund zwischen den Frontzähnen und den hinteren Zähnen; die Lücke kann dort sowohl den vorderen als auch den hinteren Bereich ausgleichen. Wie viele Zähne entfernt werden, hängt vom Fall ab: In manchen Fällen kommen vier Zähne in Betracht, in anderen weniger. Möglich ist auch, nur im Ober- oder nur im Unterkiefer zu extrahieren.
Die kieferorthopädische Extraktionsentscheidung und die Entfernung der Weisheitszähne sind getrennte Themen. Informationen zu den Weisheitszähnen finden Sie in unserem Beitrag Weisheitszahn entfernen. Zur Extraktion selbst und zur Heilung danach helfen unser Ratgeber zur Zahnentfernung und der Beitrag zur Pflege nach der Zahnentfernung.
Gibt es Alternativen ohne Extraktion?
Bei manchen Patienten lässt sich Platz gewinnen, ohne Zähne zu entfernen. Im Überblick gibt es dafür folgende Wege:
- IPR (Schmelzreduktion zwischen den Zähnen): Von den Seitenflächen der Zähne wird sehr wenig Schmelz abgetragen, sodass kleine Platzmengen entstehen. Einzelheiten finden Sie auf der Seite Aligner und IPR.
- Zurückbewegen der hinteren Zähne (Distalisation): Die Backenzähne werden nach hinten bewegt, damit im vorderen Bereich Platz entsteht. Das hängt in der Regel von der Knochenstruktur und vom Alter ab und ist nicht bei jedem Patienten anwendbar.
- Erweiterung des Zahnbogens: Platz entsteht, indem die Zähne leicht nach außen gefächert werden. Dieser Methode sind durch Knochen und Zahnfleisch Grenzen gesetzt.
- Erweiterungsapparaturen: Besonders bei Patienten im Wachstumsalter kann die Erweiterung des Oberkiefers (Kiefererweiterung) das Platzproblem verringern.
Eine Option ohne Extraktion ersetzt nicht in jedem Fall die Extraktion. Ist der Platzbedarf sehr groß, können diese Methoden die Zähne über die Knochengrenze hinausschieben, das Risiko von Zahnfleischrückgang erhöhen oder das Lippenprofil unnötig weit nach vorn bringen. Deshalb vergleicht die Zahnärztin den Plan mit Extraktion und den Plan ohne Extraktion nebeneinander.
Wie unterscheiden sich Pläne mit und ohne Extraktion?
| Merkmal | Plan ohne Extraktion | Plan mit Extraktion |
|---|---|---|
| Weg zum Platzgewinn | IPR, Erweiterung, Zurückbewegen der hinteren Zähne | Entfernung von Zähnen wie kleinen Backenzähnen, wodurch eine Lücke entsteht |
| Geeignet bei | Leichtem bis mittlerem Platzmangel | Deutlichem Platzmangel, stark ausgeprägter Protrusion der Frontzähne |
| Planungsaufwand | In der Regel geringer | Höher, weil das Schließen der Lücke kontrolliert werden muss |
| Zusätzliche Hilfsmittel | Bei Bedarf Attachments, IPR | Meist Attachments, in manchen Fällen Gummizüge |
| Kontrollhäufigkeit | Je nach Plan | In der Regel engmaschigere Überwachung |
| Dauer | Individuell verschieden | Oft länger, individuell verschieden |
Wie läuft die Aligner-Behandlung bei einem Extraktionsfall ab?
Der allgemeine Ablauf sieht so aus; die Einzelheiten sind individuell verschieden:
- Untersuchung und Unterlagen: Es werden Fotos, Röntgenbilder und ein digitaler Scan angefertigt. Dabei wird beurteilt, ob eine Extraktion nötig ist.
- Planung und Freigabe: Im dreidimensionalen Plan namens ClinCheck wird gezeigt, wie sich die Zähne bewegen und wie sich die Lücken schließen. Bei Extraktionsfällen gehen Sie in dieser Phase gemeinsam mit der Zahnärztin die Einzelheiten des Plans durch.
- Zeitpunkt der Extraktion: Die Zahnentfernung erfolgt nach dem Plan der Zahnärztin zu Beginn der kieferorthopädischen Behandlung oder davor. In manchen Plänen wird zunächst eine Zeit lang mit den Alignern vorbereitet. Die Extraktion führt häufig ein Zahnarzt oder Chirurg durch; er arbeitet dabei mit der Kieferorthopädin zusammen.
- Lückenschluss: Die Zähne werden mit den Alignern in Richtung der Extraktionslücke verschoben. Attachments (kleine, auf den Zahn geklebte Erhebungen) und in manchen Fällen Gummizüge (kieferorthopädische Elastics) unterstützen diese Bewegung.
- Feinabstimmung: Wenn die Aligner-Sets aufgebraucht sind, wird die endgültige Position der Zähne kontrolliert. Falls nötig, wird ein zusätzliches Aligner-Set (Refinement) angefertigt.
- Stabilisierung: Damit sich die Lücke nicht wieder öffnet, wird ein Retainer getragen. Einzelheiten finden Sie auf der Seite Retainer nach der Aligner-Behandlung.
Wie lange dauert eine Aligner-Behandlung mit Extraktion?
Sie dauert im Vergleich zu Fällen ohne Extraktion oft länger, weil die Zähne gleichzeitig verschoben werden müssen, ihre aufrechte Stellung erhalten bleiben muss und sich die Lücke vollständig schließen soll. Die genaue Dauer hängt von der Größe der Lücke, der Ausgangsstellung der Zähne, der Tragedisziplin und der Reaktion des Körpers ab. Allgemeine Informationen zur Dauer finden Sie auf der Seite Wie lange dauert die Aligner-Behandlung?. Die vor Behandlungsbeginn mit der Zahnärztin besprochene voraussichtliche Dauer kann angepasst werden, wenn sich der Plan bei den Kontrollen ändert.
Welche Risiken und Schwierigkeiten gibt es bei Extraktionsfällen?
Bei der Kieferorthopädie mit Extraktion ist das Schließen der Lücke anspruchsvoller, als die Zähne nur seitlich zu verschieben. Während die Kronen bewegt werden, müssen auch die Wurzeln in dieselbe Richtung wandern. Andernfalls können sich die Zähne zur Lücke hin neigen (Tipping). Deshalb wird auf folgende Punkte geachtet:
- Kippen der Zähne: Durch Planung und Attachments wird versucht, die Wurzeln zu kontrollieren; bei den Kontrollen wird die Neigung der Zähne beobachtet.
- Unvollständiger Lückenschluss: Manchmal bleiben kleine Lücken zurück; sie werden mit zusätzlichen Alignern oder einer anderen Methode behoben.
- Veränderung des Bisses: Die Verlagerung der Zähne wirkt sich auf den Biss aus; bei den Kontrollen wird der Biss überwacht.
- Zahnfleisch und Knochen: Die Heilung von Knochen und Zahnfleisch im Extraktionsbereich sollte zahnärztlich begleitet werden.
- Wirkung auf die Wurzelspitzen: Eine kieferorthopädische Behandlung kann selten zu einer Verkürzung der Wurzeln führen; sie wird per Röntgen überwacht.
- Disziplin beim Tragen: Während sich die Extraktionslücke schließt, verlangsamen Unterbrechungen der Tragezeit die Bewegung unmittelbar.
Damit der Mund nach der Extraktion gut heilt, ist es wichtig, den Anweisungen der Zahnärztin zu folgen. Wenn der Aligner nicht richtig sitzt, die Schmerzen an den Zähnen zunehmen oder im Extraktionsbereich Schwellung oder Mundgeruch auftreten, informieren Sie bitte die Praxis.
Worauf sollten Sie bei einem Extraktionsfall achten?
- Tragen Sie die Aligner 20–22 Stunden am Tag; gerade in der Phase des Lückenschlusses ist diese Tragedauer besonders wichtig.
- Tragen Sie die bei jeder Kontrolle im Rahmen des Plans ausgehändigten neuen Aligner-Sets regelmäßig und verpassen Sie keinen Wechseltag. Den allgemeinen Wechselplan finden Sie auf der Seite Aligner-Wechselplan.
- Wenn ein Attachment abfällt oder ein Aligner bricht, verschieben Sie den Termin nicht.
- Vermeiden Sie es, mit der Zunge gegen die Extraktionslücke zu drücken.
- Tragen Sie den Retainer nach der Behandlung wie empfohlen.
Wie sieht das Tragen der Aligner in der ersten Zeit nach der Extraktion aus?
Nach der Zahnentfernung müssen Sie die Anweisungen der Zahnärztin befolgen, damit der Bereich gut abheilt. Ob der Aligner auf den Extraktionsbereich drückt und wann er wieder eingesetzt werden kann, ist von Fall zu Fall verschieden; entscheiden Sie das nicht allein, sondern fragen Sie in der Praxis nach. Während der Heilung sind Mundhygiene, Zurückhaltung beim Berühren des Extraktionsbereichs und ein sauberer Aligner wichtig. Die Reinigungsschritte finden Sie auf der Seite Aligner reinigen.
Wie wird die Entscheidung für eine Extraktion getroffen und wen sollten Sie fragen?
Die Extraktion wird durch Diagnose und Planung der Kieferorthopädin festgelegt. Anhand eines einzelnen Röntgenbilds oder eines per Internet gesendeten Fotos lässt sich nicht sagen, ob ein Plan mit Extraktion richtig ist. Wenn Sie eine Zweitmeinung einholen möchten, können Sie Ihre Unterlagen zu einer anderen Zahnärztin oder einem anderen Zahnarzt mitnehmen. In welchen Fällen Aligner grundsätzlich geeignet sind, können Sie auf der Seite Für wen sind Aligner geeignet? nachlesen. Zu den Risiken einer Aligner-Behandlung ohne Untersuchung über das Internet lesen Sie den Beitrag Risiken der Behandlung ohne Untersuchung.
Wie werden Extraktionsfälle in unserer Praxis beurteilt?
In der Funda Sarıkaya Zahnpoliklinik wird das Invisalign-System angewendet. Die Fachzahnärztin für Kieferorthopädie Funda Pekyılmaz Sarıkaya beurteilt anhand der Untersuchungsbefunde und Unterlagen, ob eine Extraktion nötig ist; auch die Grenzen der Optionen ohne Extraktion bespricht sie gemeinsam mit dem Patienten. Die Praxis befindet sich in Çankaya Oran im Park Oran Ofis und ist Montag–Samstag von 09:00–20:00 Uhr geöffnet. Für einen Termin können Sie die Nummer 0312 911 60 36 anrufen oder uns über WhatsApp schreiben.

