Kurze Antwort: Vielen Menschen mit zu wenig Kieferknochen kann ein Implantat gesetzt werden. Zunächst werden Höhe, Breite und Dichte des Knochens mit einer dentalen Volumentomographie (DVT) gemessen. Bei leichtem Knochenmangel können kurze oder schmale Implantate, bei mittlerem ein Knochenaufbau oder im hinteren Oberkiefer ein Sinuslift infrage kommen. Bei sehr starkem Knochenabbau im Oberkiefer gehören Zygoma-Implantate zu den Optionen. Welche Methode geeignet ist, wird nach Untersuchung und Bildgebung festgelegt.
Viele Menschen, die sich Jahre nach einem Zahnverlust ein Implantat wünschen, hören bei der Untersuchung den Satz „Sie haben zu wenig Knochen“. Das bedeutet meist nicht, dass ein Implantat unmöglich ist; es zeigt nur, dass die Planung etwas umfassender ausfallen wird. Knochenmangel ist bei der Implantatbehandlung heute eine häufige Situation, für die zahlreiche Methoden entwickelt wurden. In diesem Beitrag erklären wir die Ursachen von Knochenverlust, wie er gemessen wird und welche Lösungen möglich sind.
Warum fehlt Knochen?
Am häufigsten wird der Kieferknochen unzureichend, weil er nach einem Zahnverlust in diesem Bereich nicht mehr belastet wird und sich mit der Zeit abbaut. Beim Kauen übertragen die Zähne Kräfte auf den Knochen und halten ihn so lebendig. Nach einer Zahnentfernung fällt dieser Reiz weg, und der Knochen verliert – besonders in den ersten Monaten – an Breite und Höhe.
Weitere wichtige Ursachen für den Abbau des Kieferknochens:
- Fortgeschrittene Zahnfleischerkrankung (Parodontitis): Der Knochen um die Zähne beginnt sich abzubauen, während die Zähne noch im Mund sind.
- Langjähriges Tragen herausnehmbarer Prothesen: Der Druck der Prothese auf den Knochen kann den Knochenabbau über die Jahre beschleunigen.
- Traumatische Extraktionen und Unfälle: Eine schwierige Zahnentfernung oder eine Gesichtsverletzung kann zum Verlust eines Teils des Knochens führen.
- Infektionen und Zysten: Chronische Zahninfektionen und Kieferzysten können Hohlräume im Knochen verursachen.
- Ausdehnung der Kieferhöhle: Gehen die hinteren Zähne im Oberkiefer verloren, dehnt sich die Kieferhöhle nach unten aus und verringert die für ein Implantat nötige Knochenhöhe.
Ist nach einer Zahnentfernung ein Implantat geplant, können daher schützende Maßnahmen wie das Auffüllen der Alveole mit Knochenersatzmaterial bei der Extraktion den weiteren Verlauf erleichtern.
Wie werden Knochenmessung und DVT durchgeführt?
Ob vor einer Implantation genügend Knochen vorhanden ist, lässt sich am genauesten mit einer dentalen digitalen Volumentomographie (DVT, Cone-Beam-CT) beurteilen. Ein Panoramaröntgenbild gibt zwar einen Überblick, zeigt aber als zweidimensionale Aufnahme die Knochenbreite und die Lage zu benachbarten anatomischen Strukturen nicht vollständig.
In der DVT werden vor allem folgende Merkmale beurteilt:
- Höhe und Breite des Knochens
- Knochendichte
- Lage des Kieferhöhlenbodens im Oberkiefer bzw. des Unterkiefernervs im Unterkiefer
- Zustand der Wurzeln der Nachbarzähne
Diese Daten werden in digitaler Planungssoftware genutzt, um Größe, Winkel und Position des Implantats zu planen. Bei Bedarf wird eine Bohrschablone angefertigt, damit das Implantat kontrollierter an der geplanten Position gesetzt werden kann. Die dentale DVT ist ein strahlungsarmes und schnelles Bildgebungsverfahren.
Was ist ein Knochenaufbau und wie wird er durchgeführt?
Ein Knochentransplantat ist Knochen oder knochenähnliches Material, das eingesetzt wird, um in einem für ein Implantat nicht ausreichenden Bereich das Knochenvolumen zu vergrößern. Das Material wird mit der Zeit durch körpereigenen Knochen ersetzt und schafft so eine stabile Grundlage, in der das Implantat Halt findet.
Arten von Knochentransplantaten
- Autologes Transplantat: Knochen aus dem eigenen Körper der Patientin bzw. des Patienten, meist aus dem Mund entnommen.
- Allogenes Transplantat: In Knochenbanken aufbereitetes Knochengewebe menschlichen Ursprungs.
- Xenogenes Transplantat: Meist vom Rind stammendes, speziell aufbereitetes Knochenmineral.
- Synthetisches (alloplastisches) Transplantat: Im Labor hergestellte knochenähnliche Materialien.
Vorgehensweisen
Bei leichtem und mittlerem Knochenverlust kann das Transplantat in derselben Sitzung wie das Implantat eingebracht und mit einer schützenden Membran abgedeckt werden; dieses Verfahren heißt gesteuerte Knochenregeneration. Bei stärkerem Verlust wird zuerst der Knochen aufgebaut und das Implantat erst nach der Ausreifung des Knochens, meist nach einigen Monaten, gesetzt. Welcher Weg gewählt wird, hängt von Ausmaß und Form des Verlusts ab.
Was ist ein Sinuslift?
Beim Sinuslift wird im hinteren Oberkiefer die Schleimhaut am Boden der Kieferhöhle behutsam angehoben und darunter Knochenersatzmaterial eingebracht, um die für ein Implantat nötige Knochenhöhe zu gewinnen. Nach dem Verlust oberer Backenzähne ist dies ein häufig eingesetztes Verfahren.
- Interner (geschlossener) Sinuslift: Liegt die vorhandene Knochenhöhe über einem bestimmten Wert, wird der Kieferhöhlenboden über das Implantatbett leicht angehoben, und meist wird das Implantat in derselben Sitzung gesetzt.
- Externer (offener) Sinuslift: Bei sehr geringer Knochenhöhe wird seitlich ein kleines Fenster angelegt und das Ersatzmaterial eingebracht. Das Implantat wird je nach Knochenmenge in derselben Sitzung oder nach Ausreifung des Knochens gesetzt.
Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung. Danach kann einige Tage eine leichte Schwellung auftreten; für die Heilung ist es wichtig, sich nicht zu schnäuzen und die ärztlichen Empfehlungen einzuhalten. Eine aktive Nasennebenhöhlenentzündung muss vor dem Eingriff behandelt werden.
Wann werden kurze, schmale oder Zygoma-Implantate gewählt?
In manchen Fällen, in denen ein Knochenaufbau oder Sinuslift nicht gewünscht oder nicht geeignet ist, können spezielle Implantatdesigns gewählt werden, die zum vorhandenen Knochen passen.
Kurze Implantate
Bei begrenzter Knochenhöhe können Implantate verwendet werden, die kürzer als Standardimplantate sind. Studien zeigen, dass kurze Implantate in geeigneten Fällen auch ohne Knochenaufbau verlässliche Ergebnisse liefern können.
Schmale Implantate
Ist der Knochen schmal oder ist im Frontzahnbereich zwischen den Nachbarzähnen wenig Platz, können Implantate mit geringerem Durchmesser eine Option sein. Schmale Implantate eignen sich jedoch nicht für jede Region und jede Belastung; die Entscheidung wird unter Berücksichtigung der Kaukräfte getroffen.
Zygoma-Implantate
Bei Patientinnen und Patienten mit sehr starkem Knochenabbau im Oberkiefer können lange Implantate verwendet werden, die im Jochbein verankert werden. Dies ist ein anspruchsvolles chirurgisches Verfahren, das von erfahrenen Teams der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie nach detaillierter Planung durchgeführt wird.
Auch die umgangssprachlich als „Implantate ohne Knochen“ bezeichneten Verfahren sind in Wirklichkeit keine Implantate, die ohne Knochen auskommen, sondern solche Planungen, die den vorhandenen Knochen anders nutzen oder den Knochenaufbau reduzieren. Jedes Implantat funktioniert, indem es im Knochen verankert wird.
Lässt sich Knochenverlust verhindern?
Auch wenn sich Knochenverlust nicht immer vollständig aufhalten lässt, können Sie sein Tempo in vielen Fällen beeinflussen. Ist eine Zahnentfernung unvermeidlich und wird später ein Implantat erwogen, kann das Auffüllen der Alveole mit Knochenersatzmaterial in derselben Sitzung (Socket Preservation) helfen, das Knochenvolumen zu erhalten. Auch das Implantat nach der Extraktion nicht lange hinauszuzögern, Zahnfleischerkrankungen früh behandeln zu lassen und schlecht sitzende Prothesen erneuern zu lassen, trägt zum Knochenerhalt bei. Da Rauchen die Knochenheilung und das Einwachsen des Implantats beeinträchtigt, wird empfohlen, damit aufzuhören. Auch ein schlecht eingestellter Diabetes kann die Heilung verlangsamen; daher ist es wichtig, den Blutzucker vor der Behandlung gut einzustellen.
Wie werden Behandlungsdauer und Kosten bestimmt?
Bei Patientinnen und Patienten mit Knochenmangel kann die Behandlungsdauer je nach Methode zwischen einigen Monaten und einem Jahr liegen. Ob zusätzliche Eingriffe nötig sind, welche Materialien verwendet werden und wie viele Implantate geplant sind, beeinflusst auch die Kosten. Diese Angaben erhalten Sie nach DVT und Untersuchung schriftlich. Weitere häufige Fragen rund um Implantate finden Sie auf unserer Seite mit häufig gestellten Fragen.
Wann sollten Sie Ihren Knochenverlust in Ankara beurteilen lassen?
Wenn Ihnen früher gesagt wurde, dass ein Implantat wegen Knochenmangels nicht möglich sei, wenn Sie seit Langem eine herausnehmbare Prothese tragen oder wenn demnächst eine Zahnentfernung geplant ist, schafft eine Beurteilung anhand einer aktuellen DVT Klarheit über Ihre Optionen. In unserer Praxis in Oran, Çankaya, neben dem Panora Einkaufszentrum untersuchen wir Ihre Knochenstruktur mit dreidimensionalen Aufnahmen und erklären Ihnen ausführlich die geeignete Methode und die einzelnen Behandlungsschritte. Für einen Termin besuchen Sie bitte unsere Kontaktseite.
Häufig gestellte Fragen
Kann jeder mit Knochenabbau ein Implantat bekommen?
Bei vielen Patientinnen und Patienten ist ein Implantat mit Knochenaufbau, Sinuslift oder speziellen Implantatdesigns möglich. Ohne Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands, des Ausmaßes des Knochenverlusts und der Anatomie lässt sich jedoch nichts Sicheres sagen; die Entscheidung fällt nach DVT und Untersuchung.
Wie lange muss man nach einem Knochenaufbau auf das Implantat warten?
Das Transplantat kann in derselben Sitzung wie das Implantat eingebracht werden; bei stärkerem Verlust wartet man meist einige Monate, bis der Knochen ausgereift ist. Die Dauer legt die Ärztin bzw. der Arzt je nach Methode und Heilungsverlauf fest.
Ist ein Sinuslift schmerzhaft?
Da der Eingriff unter örtlicher Betäubung erfolgt, spüren Sie währenddessen keine Schmerzen. Danach können einige Tage leichte Schwellungen und Empfindlichkeit auftreten; diese lassen sich mit der empfohlenen Pflege und den verordneten Medikamenten meist gut kontrollieren.
Gibt es wirklich Implantate ohne Knochen?
Nein, jedes Implantat funktioniert, indem es im Knochen verankert wird. Die als „Implantate ohne Knochen“ bezeichneten Verfahren – etwa kurze, angewinkelte oder Zygoma-Implantate – nutzen den vorhandenen Knochen auf andere Weise oder verringern den Bedarf an Knochenaufbau.




