Kurze Antwort: Kieferorthopädische Apparatur ist der Oberbegriff für intra- oder extraorale Geräte, die in der Kieferorthopädie eingesetzt werden, um die Zahnstellung zu verändern, die Kieferentwicklung zu lenken oder das erreichte Ergebnis zu sichern. Man unterscheidet herausnehmbare, festsitzende, funktionskieferorthopädische und extraorale Apparaturen. Welche Apparatur verwendet wird, legt die Kieferorthopädin anhand von Alter, Wachstumsphase und der Frage fest, ob das Problem von den Zähnen oder vom Kiefer ausgeht.
Nach einer kieferorthopädischen Untersuchung hören viele Familien zum ersten Mal das Wort „Apparatur“ und fragen sich zu Recht: Was ist eine kieferorthopädische Apparatur, worin unterscheidet sie sich von einer festen Zahnspange, und wie lange wird mein Kind sie tragen? Apparatur ist der gemeinsame Name für Geräte, die durch kontrollierte Kräfte auf Zähne, Kiefer oder umgebende Muskulatur die Zahnstellung korrigieren, die Kieferentwicklung lenken oder das Behandlungsergebnis sichern. In diesem Beitrag erläutern wir die Arten kieferorthopädischer Apparaturen, welche bei welchem Problem bevorzugt wird und worauf beim Tragen zu achten ist.
Was ist eine Apparatur und wozu dient sie?
Eine Apparatur ist ein spezielles Gerät für die kieferorthopädische Behandlung, das individuell an den Mund oder an den Kopf- und Halsbereich des Patienten angepasst wird. Manche Apparaturen bewegen die Zähne direkt, andere beeinflussen bei Kindern im Wachstum die Entwicklungsrichtung der Kieferknochen. Auch Retentionsschienen, die nach Abschluss der Behandlung verhindern, dass die Zähne an ihre alte Position zurückwandern, zählen im weiteren Sinne zu den Apparaturen.
Die Wirkung von Apparaturen beruht auf einem biologischen Prozess. Wird auf einen Zahn eine kontinuierliche, leichte Kraft ausgeübt, baut sich der Knochen in Kraftrichtung um, und der Zahn bewegt sich langsam. Bei Kindern im Wachstum können Apparaturen, die das Muskelgleichgewicht oder die Kieferposition verändern, die Knochenentwicklung in eine harmonischere Richtung lenken. Deshalb ist der Zeitpunkt einer Apparaturbehandlung in vielen Fällen ebenso wichtig wie die Behandlung selbst.
Was ist der Unterschied zwischen herausnehmbaren und festsitzenden Apparaturen?
Herausnehmbare Apparaturen kann der Patient selbst einsetzen und herausnehmen; festsitzende Apparaturen werden auf die Zähne geklebt oder mit Bändern befestigt und nur von der Behandlerin entfernt. Beide Gruppen haben ihre eigenen Vorteile.
Herausnehmbare Apparaturen
Sie bestehen meist aus einem Kunststoffkörper und daran befestigten Drahtelementen. Darauf können sich Schrauben, Federn oder Haken befinden. Eingesetzt werden sie etwa zur Korrektur leichter Zahnkippungen, zur Steuerung kleiner Lücken oder zur frühzeitigen Korrektur eines Kreuzbisses. Die Mundhygiene ist einfach; der Erfolg hängt jedoch vollständig davon ab, dass das Kind das Gerät regelmäßig trägt. Für die meisten herausnehmbaren Apparaturen wird eine Tragezeit von 14–20 Stunden am Tag empfohlen; die Dauer richtet sich nach dem Plan der Behandlerin.
Festsitzende Apparaturen
Sie wirken kontinuierlich, unabhängig von der Mitarbeit des Patienten. Das bekannteste Beispiel ist die zur Erweiterung des Oberkiefers eingesetzte Apparatur zur schnellen Gaumennahterweiterung; eine am Gaumen sitzende Schraube wird in regelmäßigen Abständen gedreht, um einen schmalen Oberkiefer zu verbreitern. Auch Lückenhalter, die den Platz vorzeitig verlorener Milchzähne freihalten, Zungengitter gegen das Zungenpressen und Bogendrähte, die obere und untere Backenzähne positionieren, gehören zu den festsitzenden Apparaturen. Das bekannte System aus Brackets und Draht ist technisch gesehen ebenfalls eine festsitzende kieferorthopädische Apparatur.
Bei welchen Problemen werden funktionskieferorthopädische Apparaturen eingesetzt?
Funktionskieferorthopädische Apparaturen werden bei Kindern im Wachstum eingesetzt, um die Beziehung zwischen Unter- und Oberkiefer zu korrigieren. Das häufigste Einsatzgebiet sind Klasse-II-Fälle, bei denen der Unterkiefer zurückliegt. Diese Apparaturen halten den Unterkiefer in einer weiter vorne liegenden Position, damit sich die umgebende Muskulatur und der Gelenkbereich daran anpassen.
Es gibt herausnehmbare (etwa Twin Block, Aktivator) und festsitzende (etwa Herbst-Apparaturen) funktionskieferorthopädische Geräte. Ihre Wirksamkeit hängt stark davon ab, dass sie in die Phase des Wachstumsschubs fallen; bei Mädchen gilt in dieser Hinsicht meist das Alter von etwa 10–12 Jahren, bei Jungen von etwa 12–14 Jahren als wichtig. Nach Abschluss des Wachstums nimmt die skelettale Wirkung funktionskieferorthopädischer Apparaturen deutlich ab. Informationen darüber, wie sich die Kieferbeziehung bei Erwachsenen korrigieren lässt, finden Sie in unserem Beitrag Korrigieren Aligner die Kieferstruktur?.
Einige funktionskieferorthopädische Apparaturen tragen auch dazu bei, Gewohnheiten wie Mundatmung, Daumenlutschen oder Zungenpressen abzulegen. Da diese Gewohnheiten bei langer Dauer zu Problemen wie offenem Biss und schmalem Gaumen führen können, ist es wichtig, sie frühzeitig anzugehen.
Wann sind extraorale Apparaturen notwendig?
Extraorale Apparaturen sind Geräte, die die Kraft von Bereichen außerhalb des Mundes – wie Kopf, Nacken oder Stirn – abnehmen und auf Zähne oder Kiefer übertragen. Sie werden in Fällen während des Wachstums bevorzugt, in denen intraorale Apparaturen allein keine ausreichende Kraft erzeugen können.
- Headgear (Kopf-Nacken-Apparatur): Wird eingesetzt, um die Vorwärtsentwicklung des Oberkiefers oder der oberen Backenzähne zu begrenzen; meist wird sie nachts und zu Hause getragen.
- Gesichtsmaske (Face Mask): Wird bei Klasse-III-Fällen mit zurückliegendem Oberkiefer eingesetzt, um den Oberkiefer nach vorne zu lenken, meist in Kombination mit einer Apparatur zur schnellen Gaumennahterweiterung.
- Kinnkappe (Chin Cup): Wird in manchen Fällen gewählt, um ein übermäßiges Vorwärtswachstum des Unterkiefers zu lenken.
Die Wirkung dieser Geräte hängt vom regelmäßigen Tragen ab; meist wird eine Tragezeit von 12–14 Stunden am Tag empfohlen. Da extraorale Apparaturen sichtbar sind, sind die Motivation des Kindes und die Unterstützung der Familie ein wichtiger Teil der Behandlung.
Sind Aligner auch eine Art Apparatur?
Im weiteren Sinne ja; auch Aligner sind herausnehmbare kieferorthopädische Geräte, die die Zähne in die geplante Position bewegen. Anders als klassische Kunststoffapparaturen wird jedoch jede Schiene nach einer digitalen Planung individuell gefertigt, und in bestimmten Abständen wird zur nächsten Schiene gewechselt. In unserer Praxis wird die Aligner-Behandlung mit dem Invisalign-System durchgeführt; die für Kinder im Wachstum entwickelten Optionen können in manchen Fällen die Funktion klassischer Apparaturen übernehmen. Das Grundprinzip der Methode erläutert unsere Seite Was sind Aligner?.
Worauf ist beim Tragen einer Apparatur zu achten?
Der Erfolg einer Apparaturbehandlung hängt davon ab, dass die von der Behandlerin empfohlene Tragezeit eingehalten, das Gerät sauber gehalten und keine Kontrolle versäumt wird. In der Praxis machen folgende Punkte den Unterschied:
- Tragezeit: Werden herausnehmbare Apparaturen nicht in den empfohlenen Stunden getragen, verlängert sich die Behandlung oder die erwartete Wirkung bleibt aus.
- Reinigung: Herausnehmbare Apparaturen sollten täglich mit einer weichen Bürste und lauwarmem Wasser gereinigt werden; heißes Wasser kann den Kunststoff verformen.
- Aufbewahrung: Nach dem Herausnehmen sollten sie unbedingt in ihrer Box aufbewahrt und nicht in eine Serviette gewickelt werden; auf diese Weise gehen Apparaturen am häufigsten verloren.
- Ernährung: Bei festsitzenden Apparaturen können harte und klebrige Lebensmittel das Gerät beschädigen.
- Eingewöhnungsphase: In den ersten Tagen können eine leichte Veränderung beim Sprechen, ein Spannungsgefühl oder vermehrter Speichelfluss auftreten; dies lässt meist innerhalb weniger Tage nach.
- Kontrollen: Kontrollen zur Aktivierung der Schraube und für Anpassungen finden in der Regel alle 4–8 Wochen statt.
Bemerken Sie an der Apparatur ein Problem wie einen Bruch, eine stechende Stelle oder eine Lockerung, sollten Sie die Praxis informieren, statt das Gerät selbst zu korrigieren.
Wie finden Sie heraus, ob Ihr Kind eine Apparatur benötigt?
Ob eine Apparatur nötig ist, lässt sich nur durch eine kieferorthopädische Untersuchung und Röntgenauswertung feststellen. Internationale kieferorthopädische Fachgesellschaften empfehlen eine erste kieferorthopädische Kontrolle um das 7. Lebensjahr; wird in dieser Phase ein Problem erkannt, kann bei Bedarf eine Behandlung geplant werden, die das Wachstum nutzt. Bestehen bei Ihrem Kind übereinanderstehende Zähne, wirkt der Kiefer zurück- oder vorverlagert, atmet es durch den Mund oder lutscht es am Daumen, können Sie in unserer Praxis in Oran, Çankaya, eine Beurteilung durch unsere Fachzahnärztin für Kieferorthopädie vereinbaren. Nach der Untersuchung wird gemeinsam mit Ihrer Familie besprochen, ob eine Apparatur nötig ist und, falls ja, welche Art und wie lange sie getragen wird.
Häufig gestellte Fragen
Sind Apparatur und feste Zahnspange dasselbe?
Auch die feste Zahnspange ist eine Art kieferorthopädischer Apparatur; im Alltag wird der Begriff Apparatur jedoch meist für herausnehmbare Platten und Geräte zur Lenkung der Kieferentwicklung verwendet. Während die feste Zahnspange darauf ausgerichtet ist, einzelne Zähne zu bewegen, können funktionskieferorthopädische Apparaturen auch die Kieferbeziehung beeinflussen. Was notwendig ist, wird durch eine Untersuchung festgestellt.
In welchem Alter wird eine Apparatur eingesetzt?
Apparaturen zur Lenkung der Kieferentwicklung werden in der Regel im Alter von 6–14 Jahren eingesetzt, solange das Wachstum anhält. Apparaturen wie Retentionsschienen können jedoch in jedem Alter verwendet werden. Den richtigen Zeitpunkt legt die Kieferorthopädin anhand der Wachstumsphase des Kindes fest.
Beeinflusst eine Apparatur das Sprechen?
Besonders bei herausnehmbaren Apparaturen, die den Gaumen bedecken, können sich in den ersten Tagen manche Laute leicht verändern. Sobald sich die Zunge an das Gerät gewöhnt, bessert sich dies meist innerhalb weniger Tage bis einiger Wochen. Regelmäßiges Tragen verkürzt die Eingewöhnung.
Verursacht eine Apparatur Schmerzen?
Nach dem Einsetzen oder nach einer Anpassung kann einige Tage lang ein Druck- und Empfindlichkeitsgefühl an den Zähnen bestehen. Das ist normal und zeigt, dass Kraft auf die Zähne wirkt. Bei lang anhaltenden Schmerzen, wunden Stellen oder stechenden Teilen sollten Sie sich an die Praxis wenden.




