Kurze Antwort: Eine parodontale Tasche entsteht, wenn sich die natürliche Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch infolge einer Zahnfleischerkrankung über das normale Maß hinaus vertieft. Bei gesundem Zahnfleisch ist diese Furche in der Regel 1–3 mm tief; Messwerte ab 4 mm werden meist als parodontale Tasche gewertet. Taschen begünstigen die Ansammlung von bakterieller Plaque und Zahnstein. Die Behandlung reicht von der Tiefenreinigung bis zu chirurgischen Eingriffen.
Zahnfleischbluten beim Zähneputzen, anhaltender Mundgeruch oder Zähne, die länger wirken als früher, sind oft die ersten Anzeichen einer Zahnfleischerkrankung. Einer der wichtigsten Hinweise auf diese Erkrankung im Mund ist die Vertiefung der Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch. Diese als parodontale Tasche bezeichnete Vertiefung ist mit bloßem Auge nicht immer erkennbar; sie lässt sich jedoch durch einfache Messungen in der Zahnarztpraxis feststellen und liefert wertvolle Informationen darüber, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.
In diesem Beitrag erklären wir, was eine parodontale Tasche ist, wie sie gemessen wird, an welchen Symptomen sie sich zeigt, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und was Sie tun können, um der Taschenbildung vorzubeugen.
Was ist eine parodontale Tasche?
Eine parodontale Tasche ist ein Spalt, der entsteht, wenn sich die natürliche Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch infolge einer Zahnfleischerkrankung vertieft und das zahntragende Gewebe geschädigt wird. Bei gesundem Zahnfleisch ist diese Furche flach, und das Zahnfleisch liegt dem Zahn fest an.
Die Taschenbildung verläuft in der Regel so:
- Plaqueansammlung: Auf der Zahnoberfläche und am Zahnfleischrand sammelt sich bakterielle Plaque an.
- Zahnfleischentzündung (Gingivitis): Das Zahnfleisch rötet sich, schwillt an und blutet leicht. Dieses Stadium ist mit richtiger Pflege umkehrbar.
- Parodontitis: Die Entzündung dringt in tiefere Gewebe vor; die Verbindung zwischen Zahnfleisch und Zahn geht verloren, und der zahntragende Knochen beginnt sich abzubauen.
- Vertiefung der Tasche: Im entstandenen Spalt sammeln sich weiter Bakterien und Zahnstein an; je tiefer die Tasche wird, desto schwieriger wird auch die Reinigung zu Hause.
Dieser Prozess verläuft meist langsam und oft ohne deutliche Schmerzen, sodass er von den Betroffenen spät bemerkt werden kann. Deshalb zählt die Parodontitis zu den „still“ fortschreitenden Erkrankungen und wird häufig bei Routinekontrollen entdeckt. Rauchen, ein unkontrollierter Diabetes, genetische Veranlagung, Stress und bestimmte Medikamente sind die wichtigsten Faktoren, die das Risiko für Parodontalerkrankungen erhöhen.
Wie wird die Taschentiefe gemessen?
Die Taschentiefe wird mit einer Parodontalsonde gemessen, einem feinen Instrument mit Millimetermarkierungen an der Spitze. Die Zahnärztin bzw. der Zahnarzt führt die Sonde behutsam in die Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch ein und notiert, wie tief sie eindringt.
Was Sie über die Messung wissen sollten:
- Um jeden Zahn wird in der Regel an sechs verschiedenen Stellen gemessen.
- 1–3 mm: Gilt im Allgemeinen als gesunde Furchentiefe.
- 4–5 mm: Kann auf eine leichte bis mittlere parodontale Tasche hinweisen.
- 6 mm und mehr: Gilt als tiefe Tasche und kann eine umfassendere Behandlung erfordern.
- Bei der Messung wird auch festgehalten, ob es blutet; Blutung ist ein wichtiges Zeichen aktiver Entzündung.
- Zahnfleischrückgang, Zahnlockerung und der Zustand der Wurzelgabelungen werden ebenfalls beurteilt.
Die Taschenmessung wird zusammen mit der Röntgenuntersuchung ausgewertet. Das Röntgenbild zeigt Ausmaß und Form des Knochenabbaus um die Zähne. Aus diesen Informationen werden das Stadium der Erkrankung und der Behandlungsplan bestimmt. Die Messung verursacht in der Regel außer einem leichten Druckgefühl keine nennenswerten Beschwerden; in entzündeten Bereichen kann sie empfindlich sein.
Welche Symptome treten auf?
Die häufigsten Begleitsymptome einer parodontalen Tasche sind Zahnfleischbluten, Mundgeruch und Zahnfleischrückgang; in frühen Stadien gibt es jedoch möglicherweise keine deutlichen Beschwerden. Deshalb sind regelmäßige zahnärztliche Kontrollen wichtig.
- Zahnfleischbluten beim Putzen oder bei der Verwendung von Zahnseide
- Rotes, geschwollenes und empfindliches Zahnfleisch
- Anhaltender Mundgeruch oder schlechter Geschmack im Mund
- Zahnfleischrückgang und länger wirkende Zähne
- Neue Lücken zwischen den Zähnen
- Lockerung oder Stellungsänderung von Zähnen
- Eiter am Zahnfleischrand
- Beschwerden beim Kauen oder das Gefühl, dass sich der Biss verändert
Bei Raucherinnen und Rauchern tritt Zahnfleischbluten wegen der verengten Blutgefäße seltener auf. Das kann dazu führen, dass die Erkrankung stiller fortschreitet und später bemerkt wird. Auch in der Schwangerschaft kann eine Zahnfleischentzündung infolge hormoneller Veränderungen ausgeprägter sein; in dieser Zeit sollten Zahnfleischkontrollen nicht vernachlässigt werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Ziel der Behandlung parodontaler Taschen ist es, bakterielle Plaque und Zahnstein aus der Tasche zu entfernen, die Entzündung unter Kontrolle zu bringen und durch Verringerung der Taschentiefe das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen. Die Behandlung wird in der Regel stufenweise geplant.
Stufe 1: Mundpflege und Kontrolle der Risikofaktoren
Die Patientin bzw. der Patient lernt das richtige Zähneputzen und die Reinigung der Zahnzwischenräume. Rauchstopp und die Kontrolle von Allgemeinerkrankungen wie Diabetes sind wichtig für den Behandlungserfolg. Zahnstein oberhalb des Zahnfleischs wird entfernt.
Stufe 2: Reinigung unterhalb des Zahnfleischs
Unter örtlicher Betäubung werden Zahnstein und bakterielle Plaque in der Tasche mit speziellen Handinstrumenten und Ultraschallgeräten entfernt; die Wurzeloberflächen werden geglättet. Dieser Eingriff kann in der Regel in mehreren Sitzungen erfolgen, aufgeteilt auf verschiedene Bereiche des Mundes. In bestimmten Fällen kann die Ärztin bzw. der Arzt eine unterstützende medikamentöse Behandlung empfehlen.
Neubeurteilung
Einige Wochen nach der Reinigung werden die Taschentiefen erneut gemessen. Bei vielen Patientinnen und Patienten werden die Taschen mit der Heilung des Zahnfleischs flacher, und die Blutung nimmt ab.
Stufe 3: Chirurgische Behandlung
In Bereichen, in denen tiefe Taschen bestehen bleiben, können Lappenoperationen durchgeführt werden, bei denen das Zahnfleisch angehoben und die Wurzeloberflächen direkt gereinigt werden. Bei geeigneten Formen des Knochenabbaus können auch regenerative Verfahren in Betracht gezogen werden, die darauf abzielen, verlorenes Gewebe zurückzugewinnen.
Stufe 4: Unterstützende Nachsorge
Nach der Behandlung werden regelmäßige Kontrollen und professionelle Reinigungen fortgesetzt, damit die Erkrankung nicht wiederkehrt. Die Häufigkeit dieser Kontrollen wird in der Regel je nach individuellem Risiko alle paar Monate geplant.
Parodontalerkrankung und kieferorthopädische Behandlung
Bei Patientinnen und Patienten, bei denen sich infolge einer Zahnfleischerkrankung Lücken gebildet haben, die Zähne sich fächerförmig nach vorne verschoben oder ihre Position verändert haben, kann nach Kontrolle der Erkrankung eine kieferorthopädische Behandlung geplant werden. Voraussetzung ist dabei, dass die aktive Entzündung behandelt wurde. In geeigneten Fällen kann eine Behandlung mit Invisalign-Alignern die Mundhygiene erleichtern, da die Schienen herausnehmbar sind. Während der kieferorthopädischen Behandlung werden auch die parodontalen Kontrollen konsequent fortgeführt.
Wie lässt sich einer parodontalen Tasche vorbeugen?
Der wirksamste Weg, der Taschenbildung vorzubeugen, ist es, bakterielle Plaque täglich regelmäßig zu entfernen und eine Zahnfleischentzündung im Frühstadium zu behandeln. Wird im Stadium der Gingivitis eingegriffen, ist die Erkrankung in der Regel umkehrbar.
- Putzen Sie zweimal täglich etwa zwei Minuten lang mit fluoridhaltiger Zahnpasta.
- Reinigen Sie die Zahnzwischenräume täglich mit Zahnseide oder Interdentalbürsten.
- Wenn Sie rauchen, holen Sie sich Unterstützung beim Aufhören.
- Halten Sie chronische Erkrankungen wie Diabetes weiterhin unter Kontrolle.
- Lassen Sie Kontrollen und Zahnsteinentfernung in dem von Ihrer Zahnärztin bzw. Ihrem Zahnarzt empfohlenen Abstand durchführen.
- Betrachten Sie Zahnfleischbluten nicht als normal; lassen Sie sich untersuchen, wenn es anhält.
Weitere Themen rund um die Zahnfleischgesundheit finden Sie auf unserer Seite Häufig gestellte Fragen.
Wann sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen?
Wenn Ihr Zahnfleisch häufig blutet, der Mundgeruch nicht vergeht oder Sie eine Lockerung Ihrer Zähne oder neue Lücken zwischen ihnen bemerken, ist eine Untersuchung des Zahnfleischs empfehlenswert. In unserer Poliklinik in Oran, Çankaya, wird der Zustand Ihres Zahnfleischs durch Taschenmessungen und Röntgenuntersuchung beurteilt; die notwendigen Behandlungsschritte und die Pflege, die Sie zu Hause durchführen sollten, werden Ihnen klar erklärt.
Häufig gestellte Fragen
Schließt sich eine parodontale Tasche von selbst?
Vertiefte parodontale Taschen schließen sich in der Regel nicht von selbst, da sich Zahnstein und Bakterien in der Tasche durch Zähneputzen zu Hause nicht vollständig entfernen lassen. Durch eine professionelle Reinigung unterhalb des Zahnfleischs und regelmäßige Mundpflege können viele Taschen flacher werden.
Tut die Reinigung von Zahnfleischtaschen weh?
Da die Reinigung unterhalb des Zahnfleischs in der Regel unter örtlicher Betäubung erfolgt, sind während des Eingriffs keine nennenswerten Schmerzen zu spüren. Danach können einige Tage lang eine leichte Empfindlichkeit sowie Empfindlichkeit gegenüber Heißem und Kaltem auftreten; dies lässt meist von selbst nach.
Kann eine parodontale Tasche zu Zahnverlust führen?
Eine unbehandelte, fortschreitende Parodontalerkrankung kann zum Abbau des zahntragenden Knochens und schließlich zur Lockerung oder sogar zum Verlust von Zähnen führen. Durch frühe Diagnose und konsequente Behandlung lässt sich dieser Prozess in den meisten Fällen verlangsamen oder stoppen.
Wie oft sollte ich nach der Behandlung zur Kontrolle kommen?
Für die unterstützende Nachsorge nach einer Parodontalbehandlung werden Kontrollen in der Regel alle paar Monate geplant. Die genaue Häufigkeit legt Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt anhand des Schweregrads der Erkrankung, der Risikofaktoren und der Qualität Ihrer Mundpflege fest.




