Kurze Antwort: Bei einer Frenektomie wird das dünne Gewebeband (Frenulum), das die Lippe mit dem Zahnfleisch oder die Zunge mit dem Mundboden verbindet, durchtrennt oder neu geformt und so gelöst. Ein kurzes oder dickes Zungenbändchen kann Sprechen, Stillen und Zungenbewegungen beeinträchtigen; ein tief ansetzendes Lippenbändchen kann zu einer Lücke zwischen den Frontzähnen und zu Zahnfleischrückgang beitragen. Der Eingriff kann unter örtlicher Betäubung mit Laser oder Skalpell durchgeführt werden.
Im Mund gibt es dünne Gewebebänder, die von der Innenseite der Oberlippe zum Zahnfleisch und von der Unterseite der Zunge zum Mundboden verlaufen. Diese Strukturen heißen Frenulum, umgangssprachlich Lippenbändchen und Zungenbändchen. Bei den meisten Menschen verursachen sie keinerlei Probleme, manchmal sind sie jedoch kürzer oder dicker als üblich oder setzen sehr nah am Zahnfleisch an. Die Frenektomie ist ein kleiner chirurgischer Eingriff, bei dem das Bändchen in solchen Fällen durchtrennt oder neu geformt und so gelöst wird.
In diesem Beitrag erklären wir, was eine Frenektomie ist, für wen sie nötig ist, worin sich Laser- und klassische Methode unterscheiden, wie Eingriff und Heilung verlaufen und welcher Zusammenhang mit der kieferorthopädischen Behandlung besteht.
Was ist eine Frenektomie?
Die Frenektomie ist das chirurgische Lösen oder Entfernen des Lippen- oder Zungenbändchens. Im Mund gibt es drei Bändchen, die am häufigsten beurteilt werden:
- Oberes Lippenbändchen: verläuft von der Mitte der Oberlippe zum Zahnfleisch zwischen den beiden mittleren Frontzähnen.
- Unteres Lippenbändchen: verläuft von der Mitte der Unterlippe zum Zahnfleisch der unteren Frontzähne.
- Zungenbändchen: verläuft von der Unterseite der Zunge zum Mundboden.
Wann diese Bändchen Probleme verursachen, hängt vom Alter und den Beschwerden der Person ab. Das Lösen des Zungenbändchens mit nur einem kleinen Schnitt im Säuglingsalter wird Frenotomie genannt; Frenektomie bezeichnet dagegen meist den Eingriff, bei dem das Bändchen umfassender entfernt oder neu geformt wird. Im alltäglichen Sprachgebrauch werden beide Begriffe mitunter synonym verwendet.
Für wen ist sie nötig?
Eine Frenektomie kann nötig sein, wenn die Beschaffenheit des Bändchens Sprechen, Ernährung, Mundhygiene, Zahnfleischgesundheit oder Zahnstellung negativ beeinflusst. Dass ein Bändchen dick aussieht, ist allein noch kein Grund für einen Eingriff; Beschwerden und Untersuchungsbefunde werden gemeinsam beurteilt.
Probleme durch das Zungenbändchen
Ein kurzes oder dickes Zungenbändchen wird medizinisch als Ankyloglossie bezeichnet. Dabei kann die Beweglichkeit der Zunge eingeschränkt sein.
- bei Babys Schwierigkeiten beim Stillen, Probleme beim Erfassen der Brust, Brustwarzenschmerzen bei der Mutter
- herzförmige Zungenspitze beim Herausstrecken der Zunge
- die Zunge erreicht die oberen Frontzähne oder den Gaumen nicht
- Schwierigkeiten bei der Bildung mancher Laute, etwa „r“, „l“, „t“ und „d“
- Mühe bei Zungenbewegungen wie Lippenlecken oder Eisessen
- Zahnfleischrückgang an der Zungenseite der unteren Frontzähne
Sprechschwierigkeiten gehen nicht immer auf das Zungenbändchen zurück. Deshalb ist es bei Kindern hilfreich, die Entscheidung gemeinsam mit Kinderärztin bzw. Kinderarzt, Logopädin bzw. Logopäde und Zahnärztin bzw. Zahnarzt zu treffen.
Probleme durch das Lippenbändchen
- bleibende Lücke zwischen den oberen Frontzähnen (Diastema)
- Zahnfleischrückgang, weil das Bändchen am Zahnfleisch zieht
- erschwertes Putzen der Frontzähne und Plaqueansammlung
- bei Trägern herausnehmbarer Prothesen behindert das Bändchen den Sitz der Prothese
Die Zahnärztin bzw. der Zahnarzt zieht die Oberlippe nach oben und achtet darauf, ob das Zahnfleisch zwischen den beiden Frontzähnen weiß wird. Dieser einfache Test gibt einen Eindruck davon, wie tief das Bändchen am Zahnfleisch ansetzt.
Das untere Lippenbändchen ist vor allem für die Zahnfleischgesundheit von Bedeutung. Ist das Zahnfleisch vor den unteren Frontzähnen dünn und das Bändchen kräftig, können Lippenbewegungen ständig am Zahnfleisch ziehen und den Rückgang beschleunigen. In diesem Fall wird die Frenektomie manchmal zusammen mit parodontalen Eingriffen wie einem Zahnfleischtransplantat geplant.
Was ist der Unterschied zwischen Laser- und klassischer Methode?
Eine Frenektomie kann sowohl mit zahnmedizinischen Lasern als auch mit der klassischen Skalpellmethode durchgeführt werden; beide Methoden führen bei korrekter Anwendung zu wirksamen Ergebnissen. Die Wahl richtet sich nach der Beschaffenheit des Bändchens, dem Alter der Patientin bzw. des Patienten und der Einschätzung der Behandlerin bzw. des Behandlers.
- Laser-Frenektomie: Da der Laser beim Schneiden auch die Gefäße verschließt, ist die Blutung meist sehr gering. Häufig ist keine Naht nötig. Die Beschwerden nach dem Eingriff sind bei vielen Patientinnen und Patienten leicht, und die Heilung kann rasch verlaufen.
- Klassische Frenektomie (Skalpell): Das Bändchen wird mit dem Skalpell durchtrennt, und der Bereich wird meist mit selbstauflösenden Fäden verschlossen. Sie kann bei dicken und breiten Bändchen bevorzugt werden, wenn bestimmte chirurgische Techniken erforderlich sind.
Bei beiden Methoden ist das Ziel, das Bändchen ausreichend zu lösen und eine gesunde Heilung des Gewebes zu ermöglichen. Unabhängig von der Methode beeinflusst das Befolgen der Pflegehinweise nach dem Eingriff das Ergebnis unmittelbar.
Wie verlaufen Eingriff und Heilung?
Die Frenektomie ist in der Regel ein Eingriff unter örtlicher Betäubung, der in kurzer Zeit abgeschlossen ist. Das Lösen des Zungenbändchens bei Babys ist oft schon mit oberflächlicher Betäubung in wenigen Sekunden möglich.
- Untersuchung: Beschaffenheit, Ansatzstelle und verursachte Probleme des Bändchens werden beurteilt.
- Betäubung: Der Bereich wird mit örtlicher Betäubung unempfindlich gemacht.
- Lösen: Das Bändchen wird mit Laser oder Skalpell durchtrennt oder neu geformt und so gelöst.
- Verschluss: Bei der klassischen Methode wird meist genäht; beim Laser ist das häufig nicht nötig.
- Aufklärung: Es werden Hinweise zu Ernährung, Mundpflege und Übungen gegeben.
In den ersten Tagen nach dem Eingriff können Empfindlichkeit und leichte Schwellung im Bereich auftreten. Ein weißlich-gelber Belag auf der Wundfläche ist ein normaler Teil der Heilung und bedeutet keine Infektion. Die Weichgewebe heilen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen.
Während der Heilung ist Folgendes zu beachten:
- in den ersten Tagen sehr heiße, scharfe und harte Speisen meiden
- den Bereich sanft und ohne Druck reinigen
- die empfohlenen Mundpflegeprodukte wie angegeben verwenden
- nach Eingriffen am Zungenbändchen die gezeigten Zungenübungen regelmäßig durchführen, damit das Bändchen nicht wieder verwächst
Welcher Zusammenhang besteht mit der kieferorthopädischen Behandlung?
Die Frenektomie steht besonders bei der Behandlung einer Lücke zwischen den oberen Frontzähnen in engem Zusammenhang mit der Kieferorthopädie. Ein dickes, tief ansetzendes Lippenbändchen kann das Schließen der Lücke zwischen den Frontzähnen erschweren oder dazu beitragen, dass sich eine geschlossene Lücke nach der Behandlung wieder öffnet.
Bei kleinen Kindern ist eine Lücke zwischen den Frontzähnen allerdings oft nur vorübergehend. Mit dem Durchbruch der Schneide- und Eckzähne kann sie sich von selbst verkleinern. Deshalb wird die Entscheidung für eine Frenektomie bei Kindern meist nicht übereilt, und der Durchbruch der bleibenden Zähne wird beobachtet.
Bei Erwachsenen und Jugendlichen mit vollständigem bleibendem Gebiss wird häufig zunächst die Lücke kieferorthopädisch geschlossen und anschließend bei Bedarf die Frenektomie durchgeführt. Diese Reihenfolge kann helfen, dass das bei der Heilung entstehende Gewebe die neue Zahnposition nicht behindert und ein stabileres Ergebnis gegen Rückfälle erzielt wird. Zahnlücken lassen sich in geeigneten Fällen auch mit Invisalign Alignern behandeln; Einzelheiten finden Sie in unserem Beitrag zur Behandlung von Zahnlücken mit Alignern.
Damit sich die Lücke nach der Behandlung nicht wieder öffnet, ist auch das regelmäßige Tragen von Retainern sehr wichtig. Werden Frenektomie und Kieferorthopädie gemeinsam geplant, legen die Kieferorthopädin bzw. der Kieferorthopäde und die chirurgisch behandelnde Person den Zeitpunkt des Eingriffs gemeinsam fest.
Wann sollten Sie zur Zahnärztin gehen?
Wenn Sie bei Ihrem Baby Stillschwierigkeiten, bei Ihrem Kind eingeschränkte Zungenbewegungen oder Sprechprobleme oder bei sich selbst eine nicht schließende Lücke zwischen den Frontzähnen oder Zahnfleischrückgang an der Stelle bemerken, an der das Bändchen zieht, ist eine Beurteilung sinnvoll. In unserer Praxis in Oran, Çankaya, werden Beschaffenheit und Auswirkungen des Bändchens untersucht; besteht ein kieferorthopädischer Bedarf, wird auch der Zeitpunkt der Frenektomie als Teil des Behandlungsplans besprochen.
Häufig gestellte Fragen
Wann kann ich nach einer Frenektomie wieder normal essen?
Die meisten Menschen können noch am selben oder am nächsten Tag weiche Kost zu sich nehmen. Wer in den ersten Tagen sehr heiße, scharfe und harte Speisen meidet, erleichtert die Heilung. Zur normalen Ernährung kehrt man meist innerhalb weniger Tage zurück.
Ist die Laser-Frenektomie besser?
Die Lasermethode bietet meist Vorteile wie geringere Blutung und häufig den Verzicht auf eine Naht. Auch die klassische Methode ist bei korrekter Anwendung wirksam und kann in manchen Fällen bevorzugt werden. Welche Methode geeignet ist, legt die Zahnärztin bzw. der Zahnarzt nach der Beschaffenheit des Bändchens fest.
Bleibt eine Sprechstörung dauerhaft, wenn das Zungenbändchen nicht gelöst wird?
Nicht jedes Sprechproblem geht auf das Zungenbändchen zurück, und nicht jedes Kind mit kurzem Zungenbändchen hat eine Sprechstörung. Wird vermutet, dass das Zungenbändchen das Sprechen beeinträchtigt, empfiehlt sich eine gemeinsame Beurteilung durch Zahnärztin bzw. Zahnarzt und Logopädin bzw. Logopäde.
Schließt sich die Lücke zwischen den Frontzähnen allein durch eine Frenektomie?
In den meisten Fällen schließt eine Frenektomie allein die Lücke nicht. Die Lücke wird in der Regel kieferorthopädisch geschlossen; die Frenektomie wird als Teil der Behandlung geplant, wenn ein dickes, tief ansetzendes Bändchen zum Rückfall beiträgt.




